Ephides - Was werden soll wird

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Was werden soll wird.

Das wissen wir und geben, damit weitergegeben wird und wissen, dass sich das Gewand des Werdenden webt und die Form dem Werden sich angemessen erweist. Eure Arbeit ist es, die Form zu finden, die Gewandung zu weben, unsere Aufgabe ist es, des Werdens Wächter und des Gebens Anreger zu sein.
 
Wir geben nicht, was wir haben, sondern was wir bekommen. So schöpfen wir aus der unerschöpflichen Fülle und werden nur immer reicher dabei. Wer nur gibt, was er hat, behält weniger, wenn er hergibt; wer aber gibt, was er bekommt, gibt aus dem Fließenden, Quellenden und muss hergeben, um Platz für Neues zu haben. So möchte ich dieses Geben im rechten Sinn verstanden ein Weiterleiten nennen.
 
Wir begrüßen Euch als Brüder und Helfer, wenn Ihr den Drang des Gebens in Euch verspürt und schenken lernt, wie es der rechte Sinn des Schenkens ist. Und was Ihr empfanget und weiterleitet, wirkt und wird wieder in anderen nach seinem Gesetz und nach seiner ihm gemäßen Art. Und da seid Ihr, wie wir bei Euch, die Anreger und könnt ruhig zusehen, wie das Werden sich verwandelt und in sein Gewand sich kleidet, da könnt ihr wissen, wie wir es wissen: Was werden soll, wird.
 
Es ist das Geben einem angeschlagenen Ton vergleichbar, der seine weiten Kreise zieht und seine tönenden Wellen aussendet. Was auf dem Weg seiner Wirksamkeit liegt, wird durchdrungen und durchklungen. Was schwingungsfähig ist, klingt und klingt umso schöner, je ähnlicher es der Tonschwingung ist. Was nicht zu schwingen vermag, bleibt stumm. Es hält die Tonwellen auf und lässt sie nicht hindurchfließen, aber dem Ton selbst kann es nichts anhaben. Der Ton bleibt rein und klar, mag auch viel Dumpfheit und Stumpfheit seine Wellen zu hemmen trachten. Sie gehen durch die Mauer hindurch, die stumm bleibt, und rühren die Herzen hinter der Mauer.
 
So lernt das Geben, das sorglose Geben, das Geben aus der Fülle!


EINE MAUER WILL ICH BAUEN um Dein Leben,
Kühle atmend soll sie schützend Dich umgeben.
Nicht aus Steinen, nur aus Deinen Lichtgedanken
Lass ich eine grüne Hecke Dich umranken.
 
Taten, die Du setzest, sind nun hohe Tannen,
wilde Rosen ihre Dornenbogen spannen,
Blüten blutend, wie in Deinen bittern Stunden,
segne sie, sie haben Deine Kraft entbunden.
 
Worte, Wünsche, die der Wind Dir zugetragen,
blühen hier umhegt und wissen viel zu sagen.
Eine Mauer will ich bauen um Dein Leben,
Deine selbst erkämpfte Kraft will ich Dir geben.
 
<Ephides>
 
(aus Band VII, Turm-Verlag, 1978)