Engelshaar

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Und jedes Wort, das sie mir als
 göttliches Geschenk übergaben,
 ist wie eine kostbare Rosenblüte,
die aufgeht, tief im Herzen,
 und deren Duft
man nie wieder vergessen wird.
 
 

Engelshaar
von Gisela Seidel
 
Des reinen Geistes Sinn wird offenbar,
webt aus Gedanken edler Verse Reim,
 
Vokabular wie goldnes Engelshaar,
verflochten mit der tiefen Liebe Keim.
 
Buchstaben-Perlen, leerer Seiten Zier,
sie reih’n sich Wort an Wort mit Poesie,
 
dringen tief in dein Sein, verweilen hier,
wie eine Seelensinfonie.
 

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Seelenflammen
von Gisela Seidel
 
So, wie der Flamme gold’ner Schein
sich züngelnd streckt gen Himmel sanft empor,
so werden auch die alten Seelen
zu den lichten Höhen streben.
 
Und öffnet sich durch Endlichkeit
des Erdendaseins fremder Sphären Tor,
verbindet sie die Ewigkeit des Seins,
um sie in fernste Galaxien fort zu heben.
 

Gottesnähe
von Gisela Seidel
 
So, wie der Wind die Wolken treibt,
rastlos am Firmament,
ist nichts seit Anbeginn der Zeit,
das uns von Gott getrennt.
 
ER zeigt in allem ewiglich
sein gütiges Gesicht,
in der Natur entzündet ER
die Liebe uns im Licht.
 
Allgegenwärtig schützt ER uns
durch seine Engelschar,
wir sind in ihm und ER in uns
für ewig, immerdar.
 
 

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Tanz auf den Wolken
von Gisela Seidel
 
 In hohen Sphären mit den Winden tanzen,
auf weißen Wolken lichtwärts schweben,
lasse von himmlischen Romanzen,
mich weit in ferne Himmel heben.
 
Verbinde mich im Reigen mit der Zeit
und flieg’ mit Engeln durch die Sonnenpforte,
im Tanz verbunden, schwebe ich so weit,
der Wind trägt mich bis an die fernsten Orte.
 
Und meine Seele hebt sich in die Lüfte,
vermählt sich mit den warmen Sommerwinden,
trägt mich in höchste Höh’n und über tiefste Klüfte,
wird den verborgnen Weg zu dir nach Hause finden.
 

Am Meer
von Gisela Seidel
 
 Sonnendurchtränkter weißer Strand,
wie lieb ist mir deine Idylle.
Das Meer umspült den flüchtigen Sand,
die Wogen durchbrechen die Stille.
 
 
Endlose Wellen in glitzerndem Nass
schimmern wie funkelnde Sterne,
glänzen wie Seide und gläserner Strass,
brechen das Licht in der Ferne.
 
 
Muscheln verzieren die feuchte Natur,
Sonne verbrennt letzte Schatten;
Krebse wandern auf Poseidons Spur,
Salzluft liegt auf den Rabatten.
 
 
Strahlender Himmel in endlosem Blau,
spiegelt sich tief in den Fluten;
salziger Wind nimmt den Wolken das Grau,
Sonne kühlt ab ihre Gluten.
 
 

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Siegel der Poesie
von Gisela Seidel
 
 Ich fühle euch, ihr Seelen der Vergangenheit,
ihr schreibt aus mir, astral sind wir verbunden;
 
habt abgelebt vergang’ne Erdenzeit,
wie die Gefühle längst vergess’ner Stunden.
 
Ihr füllt mit eurem Geist den meinen,
mit fremden Worten, alt und nie gekannt.
 
Ihr seid das Siegel, das von unbekannten Orten
die Poesie mir in mein Herz gebrannt.
 
Werd’ ich euch einmal gegenübersteh’n,
versenke ich in Demut meinen Blick.
 
Ich möcht’ euch danken,
für die tiefe Liebe, die mein Herz geseh’n,
ein’ Teil davon geb’ ich an euch zurück.
 

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Worte
von Gisela Seidel
 
Ich grüße Dich von ferne, edler Geist!
Es fehlt mir Deiner goldnen Worte Klang.
Du bist es, der mir groß den Himmel preist,
erschaffst aus kleinen Worten Lobgesang.
 
Ich lausche still vor Glück der Poesie,
sie klingt so filigran und Gold durchwoben,
dringt tief ins Herz, wie eine Liebesmelodie,
und meine Seele weiß, Du wartest oben.
 
Begleitest mich durch meine Lebensstunden,
so wie ein blumig’ Band, gekränzt im Haar.
Wir sind in der Unendlichkeit verbunden,
füllst meine tausend Leben immerdar.
 
Ich grüße Dich von ferne,  edler Geist
und werde morgen wieder an Dich denken,
wenn Du im Traum in meine Seele reist,
vereint uns Gott an allen Weltenenden.
 

Rosenduft
von Gisela Seidel
 
Die alte Rosenlaube dort am Buchenhain,
ihr gilt mein täglich Sinnen, ach, so oft.
 
Sie ließ mich sinken in die tiefsten Träumerein,
mit meinem Oden sog ich auf den Duft.
 
Vergangen ist die Zeit, als ich die Worte fand,
so wie der Sand rinnt
durch das schmale Glas der Uhren,
 
und als entzweite sich des Lebens lichte Band,
verwischten auch die letzten meiner Spuren.
 
So grau blickt eine Welt der Lichtgestalt entgegen,
die ich geworden, alt und ewiglich.
 
Die Uhren bitt’ ich, mögen rückwärts sich bewegen.
 So dufte Rose einmal noch für mich!
 

My Sweet Rose John William Waterhouse

Dornen
von Gisela Seidel
 
So wie des Pflückers Zoll die blut’gen Hände,
wenn er die stolze Rose bricht,
so ist der Trennungsschmerz am Ende
des Lebens auf dem Weg ins Licht.
 
Dann bist so schmerzlich du umfangen,
fühlst dich alleine ohne Sinn,
hältst zur bereits geschlag’nen Wange
dem Schicksal noch die andre hin.
 
Du klammerst dich an die Sekunden,
am Ende bricht dein letzter Blick
und hast du Traurigkeit empfunden,
tauchst du nun ein in lichtes Glück.
 
Musstest im Kampfe unterliegen,
als Sieger trittst du nun hervor,
gekränzt mit dornenlosem Frieden,
der Rosen dort am Himmelstor.
 

Trauer dieser Welt
von Gisela Seidel
 
Die Trauer dieser Welt,
ich will sie tragen
und fern in alle Winde streuen;
ich will sie an den dunklen Tagen,
mit hellem Himmelslicht erfreuen;
will ihr ein Lächeln zaubern,
wenn heiße Tränen rinnen
und durch Verzweiflungsmauern
den Zweig der Hoffnung bringen;
will nie den Mensch vergessen,
tief sitzt sein Weltenschmerz,
drum pflanz’ ich statt des Leidens
nur Liebe in sein Herz.
 

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