An den der leis mich rief

 

An den, der leis’ mich rief
von Gisela Seidel

Schweben im Meer der
Lautlosigkeit.
Der Lärm der Welt verklingt,
und um mich her versinkt,
ganz schwerelos, die Zeit.

Sie trägt mich himmelan
und wirbelt mich im Tanz,
umhüllt und schließt mich ein
mit lichtem Strahlenglanz.

Erfüllt mich liebevoll
mit engelgleichem Traum;
glänzt wie ein kleines Licht
am großen Lichterbaum.

So frei, voll Harmonie,
in Quintenklangmusik,
geb’ ich mein Innen hin,
an den der leis’ mich rief.

 

An Dich
 von Gisela Seidel

Mein Herz, es ruft nach dir ganz in der Stille,
bist mir mein Alles und mein fernes Nichts.
 
Du hinter Wolken liegende Idylle,
verborgene Unendlichkeit des Lichts.
 
Nur in Gedanken kann ich dich erfassen,
in Träumen dir die Hände reichen;
 
will meinen Blick nicht von dir lassen,
von meinem Weg will ich nicht weichen.
 
Wird sich der letzte Schleier heben
und  Dimensionen sich verbinden,
 
werd’ ich durch off’ne Himmel eilend,
den Weg zu dir nach Hause finden.

Steht die Zukunft in den Sternen? Aberglaube oder Wunschdenken? Schon die weisen Astrologen des Altertums glaubten an die Macht der Gestirne und die Ratsuchenden den Deutungen der scheinbar hellsichtigen Männer und Frauen. Schon zu biblischen Zeiten Moses wurden Menschen, die ein Orakel befragten,  mit dem Tode bestraft. Auch war es unter Todesandrohung verboten, einen solchen “Wahrsagegeist” zu haben. Nur den Priestern war dies erlaubt, denn das festigte ihr Ansehen  und ihre Machtposition. Sie gaben etwas vor zu können, das Normalsterbliche nicht konnten: Eine Verbindung zu Gott herzustellen, durch einen Kanal, der nur für sie offen zu sein schien.

Wie dem auch sei: Menschen, ob primitiv oder hoch zivilisiert, tragen mehr oder weniger eine Ahnung in sich, dass schicksalhafte Ereignisse vorhersehbar sein könnten und Leid einen tieferen Sinn haben mag. Doch das einst angeborene Sehen dafür ist verloren gegangen, weil unsere Spaßgesellschaft den Blick nur noch auf Äußerlichkeiten richtet. Ego glaubt nur an das was es sieht. Alles andere macht ängstlich und klein. .

In den Schlafperioden ist unser Blick nach Innen gerichtet. Wir verarbeiten in unseren Träumen nicht nur das Tagesgeschehen, sondern öffnen die Verbindung zu unserem höheren Selbst, zu der Energiequelle, von der wir von Anbeginn Führung und Beistand erhalten. Wenn wegweisende Botschaften für unsere Zukunft wichtig sind, erhalten wir sie auf dieser Traumebene. Dort zeigt sich das Kommende in Bildern, die wir im Laufe unseres Lebens zu deuten lernen. Doch nicht alles wird uns offenbart. Vieles könnten wir noch nicht verarbeiten, würde uns überfordern.

Manche Träume und Ahnungen bewahrheiten sich, andere zerplatzen wie Seifenblasen. Immer wieder stehen wir am Anfang eines neuen Weges, müssen neue Ziele und Menschen finden, die uns eine Zeit lang begleiten.

Wirklich nah sind uns nur sehr wenige. Manchmal warten wir vergeblich auf eine solche Verbindung. Ganz tief im Innern sehnen wir uns nach einem Seelengefährten, der uns liebt und versteht und den wir ebenfalls bedingungslos lieben können.

Als Gott die ersten Menschenseelen schuf, waren sie vollkommen; ungeschlechtlich, männlich und weiblich zugleich.  Adam war der erste Mensch, nicht, wie irrtümlicherweise angenommen, der erste Mann. Dualität heißt: Zwei enthaltend. Der Mensch “Adam” musste sich in Mann und Frau teilen, um auf der Erde existieren zu können. .

Das einstige Lichtwesen “Mensch” verschwand unter den vielen Verkrustungen des Lebens. Darunter bleibt die Menschenseele allein. Kein Lichtstrahl dringt zu ihr, wenn sie sich nicht von ganz alleine öffnet. Dann ist es wie ein Erinnern und plötzlich wird ihr bewusst, dass da noch jemand sein muss, der ihr beisteht, denn sie ist nicht alleine, solange sie sich diesem unsichtbaren geistigen Führer anvertraut.

Oft überhören und übersehen wir die Hinweise aus der geistigen Welt, doch manchmal klingen die Worte wie Botschaften aus fernen Galaxien.

Und manchmal wird der Dichter zum Seher.

 

"Der Dichter ein Seher”
oder über die innige Verbindung der Poesie und der Sprache mit dem Hellsehen"

ein Buch von Dr. med. Albrecht Steinbeck gewidmet dem Herrn Staatsrat Dr. Hufeland

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Buchseiten 194/195:

Die Dichter, deren poetische Gedankenblitze in ihrer Entstehung dunkel sind und laut für die Abstammung aus dem Geiste sprechen.

Die ältesten Dichter waren auch zugleich Seher; die Original- und Meisterdichter der späteren Zeit konnten ohne höhere Begeisterung nichts Hohes erschaffen, sie lebten momentane geistig = hellsehende Zustände. Dies kann selbst Kant nicht leugnen, indem er mitten in seinem logischen Raisonnement gesteht, daß es doch Vieles gebe, was unerklärlich sei, was nicht vom Verstande bewiesen werde und nicht von der Vernunft ausgehe; ja, er muß selbst bei den Dichtern eine höhere Quelle der Gedanken zugeben, als der Verstand ist, indem er sagt: „Wie aber gar die Poeten dazu kamen, sich auch für begeistert (besessen) und für wahrsagend...

 derdichtereinseher
zu halten und in ihren dichterischen Anwandlungen Eingebungen zu haben, sich berühmen konnten kann nur dadurch erklärt werden, daß der Dichter[..]den günstigen Augenblick seiner ihn anwandelnden inneren Seelenstimmung haschen muß, in welchem ihm lebendige und kräftige Bilder und Gefühle von selbst zuströmen und er hierbei sich gleichsam nur leidend verhält; wie es denn auch schon eine alte Bemerkung ist, dass dem Genie eine gewisse Dosis von Tollheit beigemischt sei.“

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Grenzenlose Liebe
 von Gisela Seidel

So, wie der Wind die Vögel trägt,
so trag ich dich auf Händen,
 
wenn dich ein Seelensturm erregt,
ich will ihn von dir wenden;
 
will streicheln dich mit Sommerbrisen
und warm dich sanft umströmen,
 
will dich auf bunt gefärbten Wiesen
mit Sonnenlicht verwöhnen;
 
ich geb' dir Halt und Lebensmut,
solang' du bei mir bist,
 
das Böse um dich mach' ich gut,
die Dunkelheit zum Licht.
 
Ich führ' dich in ein Märchenland
der goldbekränzten Feen,
 
die, wie mit unsichtbarer Hand,
dir Himmelsblumen säen.
 
Ich bin mit dir und halt dich warm,
wenn du zu frieren drohst,
 
schläfst du erst sanft in meinem Arm,
wird Liebe grenzenlos.
 

Alte Liebe
von Gisela Seidel
 
Nur deine Seele weiß,
dass wir zusammen waren,
vor tausenden von Erdenjahren,
als uns in fernem Land
die tiefe Liebe band,
und wir uns sehnten
nach den Blicken des anderen.

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So viele Leben, die wir durchwanderten!
Und immer warst du fern,
doch tief im Herzen
blieben wir verbunden,
und funkelt in der Einsamkeit
des Alls ein Stern,
so seh' ich dich in
flücht'gen Traumsekunden.
 

Ich möcht' die Liebe fühlen,
die ich einst verlor
und in Erinnerungen wühlen,
denn ich fror,
bei meiner Seeleneinsamkeit,
der kühlen.

Berührungslos
von Gisela Seidel

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Fühle berührungslose Nähe,
distanzlose Gedanken,
die, würdest du sie sehen,
wie dornenlose Rosen,
duftend um dich ranken.
Bruchteile von Sekunden,
mit einem Lächeln lieben –
so seelentief verbunden;
als stünd’s in einem heil’gen Buch geschrieben,
mit tausend Zauberworten,
die, wenn sie ausgesprochen an geheimen Orten,
die Herzensflammen bis in Ewigkeiten brennen ließen,
und dort verweilend,
würden sie den Jüngsten Tag begrüßen.
In den Unendlichkeiten
würden sie die neuen Morgen kränzen,
als kleine Sterne
funkelnd an den fernen Himmeln glänzen,
und sich, wie unsichtbarer Liebesregen,
auf die Geschöpfe dieser Erde legen.
Ahnst du mein unsichtbares Wangenstreicheln;
fühlst du die fessellosen Bande?
Möchte’ gerne deiner Seele schmeicheln,
bin ich doch deinen Weg zu glätten außerstande.
 

Himmlische Berührung
von Gisela Seidel

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Und sanft berühr’ ich dich in Träumereien,
verspür’ die Nähe deiner sich’ren Führung,
darf mich an der Unendlichkeit der Liebe freuen,
genieße die Sekunden himmlischer Berührung.
 
In meinen Taggedanken bist du mein Begleiter,
verbunden stets durch deiner Worte Kraft,
bist mir im Hintergrund mein stiller Leiter,
der meines Daseins Fülle Sinn verschafft.
 
So wie das Liebesglück gepaart mit Tränen,
folgt der Enttäuschung bange Hoffnung dann;
und der Erfüllung folgt alsdann das Sehnen,
so bindet uns ein flüchtig’ Leben ewig lang.

Lebensplan
von Gisela Seidel

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Wenn du mich rufst, dann komme ich
durch finst’re Nacht zu dir.
 
Wenn du mich suchst, dann brennt ein Licht
ganz hell an meiner Tür.
 
Du findest mich im Überall,
siehst mich in deinen Träumen;
 
bin schneller bei dir als der Schall,
wie Wind in allen Bäumen.
 
Den Plan für deine weit’ren Wege,
halt ich in meiner Hand;
 
du wirst sie sicher finden,
darauf hast du mein Pfand!
 
Ließ ich doch mein Vertrauen
und meine Liebe dir,
 
so lass’ mich durch dich schauen,
des Lebens Wunder hier.
 
Dann fließen alle Fragen
und alle Zweifel fort,
 
nie soll dein Herz verzagen,
an einem falschen Wort.