Gott und die Welt

Jerusalem, Jerusalem, das die Propheten tötet und die steinigt,
die zu ihm gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen,
wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt,
und ihr habt nicht gewollt!
Matt. 23, 37

 

Oh, Jerusalem
von Gisela Seidel
 
Du alte Stadt,
geschichtlich warst du auserkoren;
wie schuldbeladen schwingen deine Stätten.
 
Der Klagen ist genug,
sie dröhnen laut in meinen Ohren!
 
Füllt Ihr mit Frieden nicht die Mauern,
was kann euch noch retten?
 
Der Schrei nach den Gerechten ist verhallt
und längst verklungen.
 
Habt Ihr vergessen, was euch selbst bedrückte?
 
Es ist so, wie die Alten einst gesungen!
 
Liebet den Nächsten, der zusammenrückte
und seine Heimat mit den Euren teilt!
 
Taut euren Hass in Liebe auf – es eilt!
 

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Das Licht der Welt
von Gisela Seidel
 
Du bist mir begegnet vor ewigen Zeiten,
manch endlose Nacht hab ich Deiner gedacht.
Dein Name wird mich in die Zukunft geleiten,
Du hast manchen Sturm mir im Herzen entfacht.
 
Gesät hast Du Liebe in vielerlei Worten,
gepflanzt wie die Rose – von Dornen befreit.
Geleuchtet hast Du mir an finstersten Orten,
warst Licht mir, hast Blüten auf Wege gestreut.
 
Durch brennende Welten hast Du mich getragen,
gekühlt von des Windes balsamischem Hauch.
Hast Dichterworte in Felsen geschlagen,
bist Sonne mir und Morgenstern auch.
 
Du sendest Worte mit Wahrheit zum Herzen,
versiegelst sie dort im göttlichen Innen,
erhellst die Schatten mit himmlischen Kerzen,
füllst dunkelste Nächte mit heiligem Schwingen.
 

Lied des Friedens
von Gisela Seidel
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So, wie der Muezzin von seinem Minarett
zur Stunde des Gebetes ruft,
 
möcht’ ich der Menschheit singen,
 
von einem ein’zgen Gott, der Christ und Moslem eint,
weil er sie beide schuf –
 
dies Lied soll allen Völkern in den Herzen klingen.
 
Will Frieden in die wunden Seelen tragen
und tauschen Freude gegen Leid.
 
Die Zeichen werden stehn und Menschen
die Veränd’rung wagen –
 
Freundschaften wachsen mit der Zeit.
 
Die Welt braucht Händedruck und keine Kriege,
die weder Sieg noch Frieden bringen.
 
Vereint die Völker dieser Erde,
doch nur mit Liebe wird euch das gelingen!

Rosenfrieden
von Gisela Seidel

Wenn es Rosen regnen würde,
würde ein Blütenteppich das heilige Land bedecken,
und mit ihrem Duft die Friedenssehnsucht
in den zerstrittenen Lagern wecken.
 
Geöffnete Himmel senden Friedensengel,
die Trauer umwandeln in Freudentränen
und freundschaftlich verbinden all’ diejenigen,
die sich trotz Niederlagen
immer noch als Sieger wähnen.
 
Würde Frieden die Zeit überdauern
und irgendwann alte Wunden bedecken,
wären Grenzen und das Machtgehabe vergessen
und Gott ließe stattdessen
Rosen erblühn an den Mauern.

 


Zuflucht

von Gisela Seidel

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Ich seh’ ein fernes Schimmern
am klaren Firmament,
das wie ein Hitze-Flimmern,
so sehnsuchtsvoll entbrennt.
 
Nach weiten Ozeanen,
nach bergesweißen Gipfeln,
nach langen Promenaden
und grünen Tannenwipfeln.
 
Nach unbefleckten Ecken,
fern von der Welten Nöte,
will sich die Seele strecken.
Ein Ort, der Zuflucht böte,
 
von weltlich lauter Plage,
geschützt vom Lärm der Zeit.
Wo Gott die dunklen Tage
mit Regenbogen weiht.
 
Will bunte Brücken bauen,
an einen Ort – so weit,
lässt uns verzaubert schauen,
den Platz der Ewigkeit.

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Recht
von Gisela Seidel
 
Es sühnen die Gerichte schlechte Taten,
doch ist gerecht noch lang kein Richterspruch,
ihr seid mit Sinn nach Rache schlecht beraten,
wenn ihr für Schuld gerechte Strafen sucht.
 
Wer andre in den Tod schickt ist nicht besser,
als jener, der zuvor den Mord verübt,
wäscht man Justitias Hand mit klaren Wässern,
ist nach dem Reinigen das Wasser unschulds-trüb.
 
Wir fordern Ethik und Moral mit Geistesgröße,
doch nur zu leicht zerfließen hier die Grenzen,
wir machen aus "nicht gut", "ein bisschen böse",
verdrehtes Recht schafft eigne Konsequenzen.
 

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Aus unsichtbarer Welt

Von Gisela Seidel

Ich möcht‘ aus deiner Seele lesen,
erfühl’n die Göttlichkeit in ihr,

möchte als unerkanntes Wesen,
die Rose sein, vor deiner Tür.

Möchte dich in Gedanken halten,
zum Tanze nah dich wiegend schwingen

und dir die Blume für dein Haar
aus dem verbot’nen Garten bringen;

möchte im Mondschein dich bezaubern,
mit Sternen, die am Himmel tanzen,

dir nur die schönsten aller Rosen
in deine Herzenslaube pflanzen;

möchte dein Narr sein und dein Held,
der treu und schützend dich umgibt,

der dich aus unsichtbarer Welt
bereits seit Ewigkeiten liebt.

Will sanft dich sicher halten,
wenn du zu fallen drohst,

möcht‘ deinen Weg begleiten,
ewig und grenzenlos.
 

Versteinerte Herzen
von Gisela Seidel
 
So hart wie Stein wird mancher Menschen Herz,
kennt weder Mitgefühl noch Gnade,
gönnt anderen nur Spott und Seelenschmerz,
lockt erst die Gier nach Macht,
wie süßes Apfelfleisch die Made.
 
Das Leiden anderer – zur Schau gestelltes Quälen,
war früher Freude der Cäsaren Tribunal,
als Schauplatz wird man heute andre Orte wählen,
wenn schreiend erst das Volk die Daumen senkt,
dann rollen Köpfe, so wie damals, ohne Zahl.
 

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Beschattete Ruinen
von Gisela Seidel
 
Die alten Steine, sie sind längst zerfallen,
Ruinen bleiben – Zeugen ferner Zeit,
und in den teils versunk’nen Säulenhallen
durchbraust der Wind die graue Brüchigkeit.
 
So viele Menschen sind des Weg's gegangen,
erfühlten nicht die Geister der Epochen,
als Zaubersprüche diesen Ort verbannten
und dunkle Ängste durch die Räume krochen.
 
Des Erdendaseins abgelöste Schatten
verweilen immer noch in den Palästen,
sie tanzen nächtelang auf den Rabatten,
die Totenvögel rufen laut zu ihren Festen.
 
Die Ewiglichen der vergang’nen Zeiten,
der mediale Mensch erfühlt die Kraft;
das Wissen schafft den alten Eingeweihten
manch’ unsichtbare dunkle Macht.
 

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Biographien
von Gisela Seidel
 
Blasses Erinnern
an verfälschte Farben.
Vergangene Zeiten starben,
mit ihnen die Spuren
historischer Figuren;
farblos, verblasst durch die Zeit,
nur noch schwarz-weiß,
dünn und zaghaft die Striche;
 
so leis’ ist müde sie geschlichen,
hat alles mitgenommen
und ganz verschwommen
sind manche Biographien
einem Schattenriss gewichen;
 
die einst so großen Weltfiguren,
abgebildet mit zerflossenen Konturen,
wässrig und durchscheinend,
in trüber Transparenz,
erscheinen wie ein falsches Gold,
das niemals hat geglänzt.
 

Arm und Reich
von Gisela Seidel

Den Glanz von einst, voll Sinneslust und prächtig,
trägt die Erinnerung mit Weh und tiefem Groll.
Wie gestern, sind auch heut’ die Reichen mächtig,
und blutend zahlt das Volk den bitt’ren Zoll.
 
Die Armut klafft aus offnen Weltenwunden,
die Qual des Hungers gräbt sich ein, voll Schmerz.
Auch heute liegt in trauertiefen Stunden,
manch’ sterbend Kind am stillen Mutterherz.
 
Man tanzt mit viel Glamour in Taft und Seide,
Champagner fließt und Kaviar wird serviert.
Da draußen, gar nicht weit im tristen Kleide,
wird eine trockne Scheibe Brot zum Mund geführt.
 
Verschwendung hier und anderswo das Darben;
wo Fülle doch für alle birgt die Welt.
Die Zeit legt auf die Wunden Wohlstandsnarben,
der Teufel dient alleine Macht und Geld.
 
Und was satanisch grinst aus den Gazetten,
ist, was Profitgier und die Politik serviert.
Die Armut wälzt sich angstvoll in den Betten
und Reichtum glänzt daneben, ungeniert.

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Weltkinder
von Gisela Seidel
 
Sind so verletzlich, tief in ihren Seelen,
schauen vertrauensvoll in diese Welt hinein,
geh’n auf die Erde in ein neues Leben,
wollen geschenkte Gottesliebe sein.
 
Wachsen mit den Alltäglichkeiten
und seh’n uns oft mit feuchten Augen fragend an:
Wie kann es sein, dass noch in unsren Zeiten,
ein weißes Lächeln mehr zählt, als das schwarze nebenan?
 
Der Himmel segnet alle Menschenkinder,
gleich welcher Farbe, welcher Tradition.
Die Kinder sind die neuen Weltengründer,
Gott lebt in jeder alten Religion.
 
 

Logik
von Gisela Seidel
 
Es galt mit Logik alle Dinge zu ergründen,
wonach die Seele suchend aufbegehrt,
 
mit menschlichem Verstand zu finden,
was unsren Blicken schleierhaft verwehrt.
 
Es streiten wieder sich die Fakultäten
und werden niemals Frieden geben,
 
wenn Wissenschaft und Universitäten
erforschen unser menschlich’ Leben.
 
So unbegreiflich wie die Ewigkeit des Seins,
die keinen Anfang und kein Ende kennt,
 
verbirgt die trügerische Welt des Scheins,
die wahre Sicht der Dinge ungehemmt.
 
Des Lebens Kern verdecken Macht und Gier,
ethisch vollkommen, göttlich war der Sinn;
 
wenn nicht Moral und Tugend sind der Menschen Zier,
schwindet Respekt vor aller Schöpfung ganz dahin.
 

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Orakel
von Gisela Seidel
 
Ein Teil des ew’gen Geistes Licht zu sein
und hier im Kreise der gelehrten, alten Runde,
mit Worten dringen durch des Schleiers Schein,
zu stärken euch in tiefstem Seelengrunde,
 
dies sei zu eurer Freude unser tägliches Bestreben,
fragt nicht die Wissenschaft, wenn ihr nach Wahrheit sucht,
wir sind es, die euch hier die Antwort geben,
liegt doch im Jenseits des Orakels Lösungsspruch.
 
Es gilt ein Zauberwort, das Nächstenliebe heißt,
für alle Zeit im Herzen dieser Welt zu integrieren,
nur wer die Existenz des Nächsten preist,
wird Gottes Sinn in den Alltäglichkeiten spüren.
 
Wer alles Leben ehrt, ehrt auch die Göttlichkeit,
drum seid bestrebt den rechten Weg zu gehen,
entfernt euch von der Oberflächlichkeit,
mildert mit Liebe euer Zeitgeschehen.
 
Schützt die Natur, die Schatzkammern der Erde,
begegnet voll Respekt der Schöpfung allen Lebens,
verteilt gerecht, dass endlich Frieden werde;
des andern Last zu mildern, das sei euer Streben.
 

Sonnenzeichen
von Gisela Seidel
 
 Als blutrote Fahnen
wie Leichentücher die Länder bedeckten,
als der Wahnsinn regierte
und sich die dunkelsten Mächte hinter dem
Zeichen der Sonne versteckten,
da ertönten die Parolen der scheinbaren Sieger.
 
Noch gegenwärtig
ist die alte Schwingung
der ewig Gestrigen auf dieser Welt,
nur änderten sich die Vorzeichen,
wie in einer mathematischen Bedingung.
 
Noch immer
 tönt die Arroganz der Herrscherrassen,
die glauben, mit Waffen und Geld
ganze Völker in Ohnmacht und Diktat zu belassen.
 
Noch immer
 ist die Menschheit fern von den wahren Zielen
und lässt ihre Seelen als Einsatz
auf den Spielfeldern
der mächtigen Herrscher
verspielen.
 
Noch immer
versuchen Machthaber, die im Dunkeln agieren,
einen Teil der Menschheit
dorthin zu führen.
 
Wann seid ihr endlich bereit,
den wahren
Licht-Zeichen
zu folgen?
 

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Unschuld
von Gisela Seidel
 
Unschuldige Augen, leerer Blick,
Spiel mit dem Tod wirft Seelenschatten.
Zerstörung ist ihrer Väter Geschick,
kennen nur die Geborgenheit durch Waffen.
 
Wunde Seelen und zerbrochene Herzen,
schrei'n nach Vergeltung und Sühne;
Zeit heilt Wunden, doch nie die Seelenschmerzen
bei den Kindern der irdischen Bühne.
 
Seh’n eine Welt voll Zerstörung und Hass,
fühlen Verzweiflung und Angst.
Befolgen gehorsam der Alten Erlass,
ihre Kindheit vergessen sie ganz.
 
Eine Seele, die niemals die Leichtigkeit sah,
nur den Krieg und das Spiel mit Patronen,
die nimmt ihr Sein nur als Werkzeug wahr,
wird Kanonenfutter für die Nationen.