Biografisches


Henriette Brey - Biografie
 
Zusammengestellt von Gisela Seidel

                                   Am Mittwoch, den 15.11.1875, wurde Maria Henriette Brey in Capellen bei Geldern                                             am Niederrhein als Viertes von 15 Kindern geboren.

                                   Eltern:

                                   Dekorationsmaler Theodor Brey (23.04.1843 – 29.11.1916) und

                                   Wilhelmine Brey, geb. Omes (14.02.1848 – 15.02.1932).

                                  Geschwister:

                                   Kunstmaler           Johann Heinrich                     12.02.1872 – 24.05.1960

                                                                Johann Gerhard                      14.06.1873 – 15.08.1873

                                                                Gertrud Allegonda                  02.10.1874 – 11.10.1874

                                    Ordensfrau          Maria Gertrud                         08.12.1876 – 04.01.1909

                                                                Maria Auguste Katharina       14.04.1878 – 02.08.1878

                                   Malermeister       Gerhard Josef                         13.05.1879 – 26.11.1956

                                                                Dorothea Cäcilia                    11.06.1880 – 05.08.1880

                                                                Maria Cäcilia                         16.08.1881 – 19.12.1964

                                  Malermeister        Theodor Georg                       02.11.1882 – 09.11.1919

                                                                Maria Katharina                     05.05.1885 – 27.10.1885

                                   Rektor                  Josef Leonhard                       18.08.1886 – 05.10.1940

                                   Lehrerin               Maria Dorothea                      06.11.1887 – 13.07.1966

                                                               Maria Margarete                    26.05.1889 – 03.02.1890

                                                               Maria Hedwig                         17.10.1892 – 08.03.1969



1875/1876                  

Erkrankung an Knochentuberkulose als Nebenwirkung einer Impfung im ersten Lebensjahr. Henriette war dadurch als Kind immer schwach und kränklich und zeitlebens schmerzgeplagt.

Aus der religiösen Erziehung im elterlichen Hause heraus und durch die Gespräche über hauptsächlich religiöse Fragen mit den Geschwistern, entwickelten sich tiefgründige Grübeleien und Ängste vor Gott, Hölle und Leben.

1880–1887                  

Besuch der Volksschule in Capellen. Ihre Lektüre: 'Der Heideknabe' von Adalbert Stifter, Biblische Geschichten, Märchen und das Schulbuch ihrer Mutter.

1887–1891                  

Höhere Schulausbildung in einem klösterlichen Internat bei Gangelt (Heinsberg), ein Institut der Franziskanerinnen. Unterbrechungen aufgrund qualvoller Operationen.

1891                        

Aufnahmeprüfung für das Lehrerinnenseminar in Xanten. Noch während der Prüfung erkrankte sie schwer und konnte diese nicht mehr absolvieren. Lähmungserscheinungen und mehrere Operationen. Eine Wiederholung der Prüfung wurde dadurch unmöglich.

Henriette verbrachte mehrere Jahre im Hause ihrer Familie, wo sie malte, dichtete und in Büchern studierte (Latein, Welt-, Kunst- und Literaturgeschichte und besonders Astronomie. Außerdem beschäftigte sie sich mit Fragen nach dem Jenseits).

um 1894                    

Bereits in diesen Jugendjahren schrieb sie Aphorismen, Gedichte und Kurzgeschichten. Erste Veröffentlichung in der Niederrheinischen Landeszeitung unter dem Pseudonym „Enrica van Bree“.

01.06.1912                  

Verlagsvertrag zwischen der Firma Josef Thum, Kevelaer, und ihren Schwestern Hedwig und Dorothea, die als Bevollmächtigte Henriettes handelten, da diese aufgrund ihrer Erkrankung selbst nicht in der Lage war, dieses Geschäft abzuwickeln.

Henriette war nicht fähig, selbst zu schreiben, sondern musste stets ihrer Sekretärin, Henny Gössmann und später ihrer Schwester Hedwig und deren Tochter Gabriele diktieren.

um 1912/15                

Umzug zu ihren Schwestern Hedwig und Dorothea nach Oberhausen-Holten.

Vor 1914                    

Mit der erschütternden Gewissheit, von ihrer Krankheit nie mehr zu gesunden, trennte sie sich von ihrer einzigen großen Liebe, wartete aber insgeheim immer noch auf ein Wunder.

1916/17                   

Nach nur kurzem Aufenthalt, mit den Schwestern Umzug nach Duisburg-Rheinhausen. Immer wieder längere Krankenhausaufenthalte.

1914–1918                  

In der Zeit des 1. Weltkrieges schrieb sie Erzählungen und Beiträge zur Heimatdichtung.

bis 1921                     

Aufenthalt von mindestens sieben Jahren im Marien-Hospital in Duisburg-Hochfeld. Der linke Arm, aus dem ein Gelenk entfernt werden musste, blieb steif, der rechte war zum Schreiben unbrauchbar, die Wirbelsäule an zahlreichen Stellen bis in den Kopf hinein zerfressen. Während der Zeit ihres langen Krankenhausaufenthaltes in Duisburg, erhielt Henriette des Öfteren Besuch von der Generaloberin der Klemensschwestern Mutter Claudia Bachofen von Echt. Ihr war es offensichtlich ein Herzensbedürfnis, die Leidende hin und wieder zu überraschen und ihr eine Freude zu bereiten. So auch mit einem Kreuz aus dem Nachlass von Antonie Jüngst, mit der Henriette befreundet war, bis diese 1918 verstarb.

1921–1943                  

Wegen der starken Luftverschmutzung entschied sich Henriette zu einem Umzug in das St.-Joseph-Hospital, Elberfeld.

Dr. Paul Haggeney wurde ab 1923 Chefarzt der inneren Abteilung.

1922                          

Verschlimmerung ihres Gesundheitszustandes. Tuberkulöses Darmbluten.

30.05.1922                  

Im „Parlament“ (ein kath. Verein in Elberfeld) wurde ein Henriette-Brey-Abend veranstaltet. Pater Heinrich Heimanns sprach über Henriettes Leben und Werk.

1922–Jan. 1923          

Aufgrund der Tuberkulose waren die Rückenwirbel angegriffen und zersetzten sich allmählich. Schwerste Schmerzzustände machen eine Operation zwingend, womit sich Henriette in ihrer Not auch einverstanden erklärte. Die OP unterblieb jedoch, weil sie sie nicht überlebt hätte. Heinrich Heimanns hielt unterdessen Vorträge über sie in Berlin und an anderen Orten.

Erste Versuche, über den aus Geldern stammenden Jesuitenpater Murmann, der in Porto Alegre (Brasilien) stationiert ist, Schriften von Henriette zu veröffentlichen; in Nordamerika war bereits Verschiedenes von ihr erschienen.

April/Mai 1923           

Häufige Besuche von ihrem Freund Pater Heimanns; ihre Schwester Hedwig verlor auch ihr 2. Kind.

1924                           

Von September bis Dezember hatte Henriette schwer krank gelegen und rang eine Zeit lang mit dem Tode. Durch die Behandlung mit Bluttransfusionen wurde eine Besserung ihres Gesundheitszustandes erreicht.

1925                           

Schwester Hedwig zog mit ihrem Mann und der einjährigen Tochter Gabriele ebenfalls nach Elberfeld. Sie kauften dort ein Haus, um in der Nähe von Henriette zu sein, da sich diese ohne ihre Schwester sehr einsam fühlte. Der Bergland-Verlag (über den Henriette veröffentlichte) und die Buchbinderei J. Bourguignon arbeiteten Hand in Hand. Dort war Richard Schneider, Hedwigs Mann, als Buchbindermeister tätig.

17.11.1925                 

Henriette-Brey-Ehrenabend im Gelben Saale der Stadthalle Elberfeld, an dem auch die Mutter anwesend war.

1933                          

Der Bergland-Verlag musste aufgrund eines NS-Beschlusses seinen Betrieb schließen. Dies macht auch den weiteren Vertrieb von 15 der hier erschienenen Büchern unmöglich.

1934                          

Herbst 1934 Reise nach Geldern-Kapellen. Besuch bei Kaplan Brey in Kleve und bei Josefine Brey und Mathilde Simons in Kellen bei Kleve. Erste Gehversuche durch Anlegen eines Korsetts möglich.

Henriette versuchte vergeblich, den bei der Bonner Buchgemeinde frei werdenden Roman Wenn ich dein vergäße bei einem anderen Verlag unterzubringen.

Sommer 1935            

Reise nach Geldern-Kapellen und nach Kalkar. Gesundheitliche Besserung. Sie konnte wieder alleine gehen und an der Schreibmaschine arbeiten.

10.12.1935                 

Henriette-Brey-Abend im Vereinshaus in Duisburg-Hochfeld anlässlich des 60.Geburtstages.             

Jun.–Aug. 1936          

Sechs Wochen Aufenthalt bei ihrer Schwester in Filsen und anschließend drei Wochen im Marienhaus in Wiesbaden.

Sommer 1938           

Sie weilte für zwei Monate in Ulm a. d. Donau.

1939–1941                  

Es erschienen noch sechs Romane, dann wurde das Drucken schöngeistiger Literatur eingestellt. Wegen Zensur und Papiermangel keine Möglichkeit zur Veröffentlichung neu entstandener Werke.

Jan./Feb. 1940           
 
Eine langwierige Kehlkopfentzündung machte mehrere Operationen notwendig. Um die Kosten decken zu können, verkaufte sie schweren Herzens ihr Herder-Lexikon und ein Gemälde ihres Bruders Heinrich, das er ihr zum 50.Geburtstag geschaffen hatte.

1940–1944                  

In den Jahren 1940–1944, und auch 1951, erhielt Henriette Brey, durch Einsatz ihrer Schwester Hedwig und der Schriftstellerin Dorothee Goebeler, von der Schiller-Stiftung in Weimar eine finanzielle Unterstützung.

Sie selbst unterstützte Not leidende Schriftstellerkollegen und Kolleginnen über die Notkasse, zu der Zeit, als sie noch dem Allgemeinen Schriftstellerverein angehörte.

29./30.05.1943            

Bombenangriffe auf Elberfeld. Das Hospital wurde schwer beschädigt. Verlust ihres gesamten Gepäcks. Bücher und Manuskripte wurden Opfer eines Luftangriffes.

22.06.1943                 

Flucht nach Filsen am Rhein zu ihrer Schwester Maria Cäcilia. Richard Schneider brachte Henriette unter großen Schwierigkeiten  in ihrem Rollstuhl mit zwei Koffern und ihrer Reiseschreibmaschine in Sicherheit.

24./25.06.1943            

Richard Schneider rettete eine Nachbarin aus den Flammen, indem er eine Phosphorbombe aus dem Dachfenster warf und erlitt dabei selbst schwerste Verbrennungen.

1943                          

Umzug zur Familie Ermenbach bei Waldbröhl.

Um 1943/44                

Henriette fand eine neue Unterkunft in Oberpleis (bei Bonn), Dollendorfer Straße 38.

1945                          

Tod von Dr. Paul Haggeney am 11. März 1945.

April 1951                  

Henriette klagte über Nervenschmerzen in den Händen, hatte verstärkt Schwierigkeiten beim Schreiben.

Sie suchte nach neuen Möglichkeiten für die Veröffentlichung ihrer Werke, große finanzielle Schwierigkeiten.

1951                          

Rückkehr nach Wuppertal, neue Bleibe in der Talstraße 65.

1951                          

Im Sommer und Herbst mehrere Tage in Filsen zum 45. Hochzeitstag von Theo und Schwester Cäcilie.

1951–1953                  

Die Schriftstellerin Elisabeth Kaiser, eine Freundin Henriettes, besuchte sie häufig, gemeinsam mit der zwischenzeitlich erblindeten Schwester Hedwig und deren Töchtern Gabriele und Irmgard. Immer wieder Gespräche über die finanzielle Situation, die Henriette sehr belasteten, immer wieder auch Gespräche mit Prälat Bernhard Wachowski.

1953

Nachlassen ihrer geistigen und körperlichen Kräfte. Durch den Prälaten Wachowski, Vermittlung eines Platzes im Kloster der Franziskanerinnen vom Herzen Jesu in Ramersdorf bei Bonn.

Kurz vor ihrem Tode Zuerkennung eines Ehrensoldes durch die Kultusministerin des Landes NRW, Christine Teusch.

27.05.1953                 

Henriette Brey verstarb im Beisein ihrer Schwester in den Armen ihrer Nichte Gabriele Erdmann.

01.06.1953                 

Beisetzung auf dem Alten Friedhof in Wuppertal-Sonnborn, Feld X, Nr. 18a, in der Nähe ihrer schwesterlichen Verwandtschaft.

Die Überführung wurde durch die finanzielle Beihilfe von Frau Teusch möglich gemacht. Die Grabstätte wurde 1992 eingezogen.

 

Nachbemerkung       

Henriette Brey hat im Laufe ihres leidvollen Lebens lernen müssen, den Geist über den kranken Körper zu stellen. Sie hat allen Schmerzen und Entbehrungen zum Trotz, ihre Berufung dankbar, wie ein himmlisches Geschenk angenommen. Auf ihrem schriftstellerischen Wege begleiteten sie Kirchen- und Gottesgehorsam sowie Marienverehrung durch die meist einsame Zeit. Ethische und moralische Vollkommenheit sind die Attribute ihrer Werke, die zwar teilweise (wegen ihrer dogmatischen Haltung kirchlichen Dingen gegenüber) heute zu überdenken sind, aber dennoch die durchaus edlen, tiefen Gedanken jeder ihrer Geschichten deutlich machen. Letztendlich sah sie es als ihre Intention, sich durch die Kraft des Wortes wie ein Trostpflaster auf die Wunden der damaligen Welt zu legen. Henriette Brey hat es verstanden, mit Buchstabenperlen den grauen Alltag zu verzieren, und ihre Naturbeschreibungen bringen dem deutschen Sprachschatz ein Leuchten, das bis tief in die Seele dringt. (GS)


Auszug aus: Die Schriftstellerin Henriette Brey (1875-1953) - Leben und Werk (= Pro Arte Arbeitsheft 4). Kevelaer 2005.

Biographie Copyright: Gisela Seidel.



Preise und Ehrungen

1914: 1. Preis für Lyrik bei den „Kölner Blumenspielen“, für das Gedicht „Letztes Glück“.

13.11.1935: Verleihung des Ordens „pro ecclesia et pontifice“ durch Papst Pius XI. mittels Telegramm an den Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte.

Mai 1955: Enthüllung einer Gedenktafel am Geburtshaus in Kapellen (noch heute vorhanden).                       

14.12.1975: Feier des 100. Geburtstages durch die Stadt Geldern im „Refektorium“ (heute Kreisberufsschule) am Ostwall. 

 

Kurz-Biografie:

Heinrich_Heimanns

Heinrich Heimanns        geb. 17.06.1875 Rheydt, gest. 26.07.1947 Düsseldorf

P. Karl Heinrich Heimanns SCJ, Priester, Schriftsteller, Redakteur; legte 1894 nach verkürztem Gymnasialstudium in Sittard/NL die erste Profess in der Herz-Jesu-Priester-Genossenschaft (SCJ), in Deutschland bis 1912 nicht zugelassen) ab, studierte dann als einer der ersten Ordensmitglieder Theologie am Priesterseminar in Luxemburg und empfing dort 1900 die Priesterweihe. 1901 gründete er die Zeitschrift Das Reich des Herzens Jesu und war deren Hauptschriftleiter bis 1913 und erneut von 1923-1930.

Er lernte 1911 die schwerkranke Schriftstellerin Henriette Brey kennen und veröffentlichte ihre Gedichte und Novellen in seiner Zeitschrift. 1912/1913 wurde er als geistlicher Rektor in das Kloster der Alexianerbrüder in Krefeld versetzt, eröffnete zusammen mit F. W. Demont die Missionsprokura Krefeld, war während des 1. Weltkrieges Kaplan in Mönchengladbach, publizist. Mitarbeiter des Volksvereins für das katholische Deutschland in Mönchengladbach, verfasste wöchentliche Beiträge für die Westdeutsche Arbeiterzeitung, hielt 1922/23 mehrere Vorträge über Leben und Werk von Henriette Brey, war Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift Missionswarte (1926 neugegründet von dere Missionsprokura Krefeld) und der Zeitschrift Weißer Sonntag.

Krankheitsbedingt trat er von diesen Funktionen zurück und führte lediglich die Zeitschrift Das Altarglöcklein weiter, veröffentlichte längere Zeit Artikel im Herz-Jesu-Kalender, war Herausgeber einiger Ausgaben des Sakraments-Kalenders und des Weihnachtskalenders Das Christkindlein. Ab 1930 war er Volksmissionar und Exerzitienprediger in Düsseldorf, später Hausgeistlicher in einem Altenheim in Kohlscheid bei Aachen. Während des Krieges wurde er dort zwangsevakuiert, kehrte aber 1945 zurück. Er war auch Ausbilder für Priesteramtskandidaten in Freiburg i. B., unternahm mehrere Reisen ins Ausland, u. A. auch nach Finnland.

Quelle: www.bibelarchiv-vegelahn.de

Rückkehr zur Heimat
von Heinrich Heimanns

Ich grüße dich mit ganzer Seele,
mein Abendrot beglänztes Land,
um das der Himmel seinen Bogen
von lilaros’gen Wolken spannt.
Von Frieden säuseln deine Bäume
und wohlig haucht es durch dein Feld
sei mir gegrüßt, du meiner Träume
geliebtes Ziel, du meine Welt!

O Heimat, die in kühler Erde
mein Liebstes birgt, mein ganzes Glück -
zu dir kehr’ ich aus weiter Ferne
mit müden Schwingen nun zurück.
Du meine Sehnsucht, meine Liebe,
dich segne stets der Herr der Welt!
Und Segen träufle auf dich nieder,
sein Sternenheer vom Himmelszelt.

Nun bleib ich dein; die falsche Ferne,
die lockt mein müdes Herz nicht mehr.
In deinem Schoße einst zu schlafen,
das ist’s allein, was ich begehr.
Hier, wo mir ward das frohe Leben,
wo meiner Kindheit Wiege stand,
will heben ich dereinst die Flügel
zum Flug ins ew’ge Heimatland!