Liebe und Leid

Aus Kabale und Liebe – 5. Akt, Szene 7 -
von Friedrich von Schiller:
 
Du betrügst dich.
Das sind ihre Tränen nicht -
Nicht jener warme, wollüstige Tau,
der in die Wunde der Seele balsamisch fließt,
und das starre Rad der Empfindung wieder in Gang bringt.
Es sind einzelne - kalte Tropfen -
das schauerliche ewige Lebewohl meiner Liebe.
 

romanze


Wahre Liebe
ist ein kostbares Geschenk,
reich machend,
ohne zu fordern.
 

herz066

Lieben heißt sehnen
von Gisela Seidel
 
Das Sehnen ist ein Band, das liebend bindet,
die Zauberschnur, die niemals reißt und bricht.
Wo sich die alte Liebe wieder findet,
da wird das tiefste Dunkel hell und licht.
 
Du strahlst in mir, wie Diamanten strahlen,
du reflektierst das Licht, so, wie ein Edelstein.
Lass' Deiner Augen Glanz auf meine fallen,
Du wirst der Glanz auf meiner Seele sein.
 
Du bist mir fern, doch öffnen sich die Schleier,
so wie die Sonne durch die Wolken bricht.
Und jedes Wort, das Du mir schreibst erneuert,
was Du mit Deiner Gegenwart versprichst.
 
Die Liebe hält uns fest und ganz umschlungen,
nichts wird sie lösen - nicht in Ewigkeit!
Und ist Dein liebes Wort schon lang verklungen,
dann schwebt es selig weiter durch die Zeit.
 
Das Band der Liebe ist um uns geflochten,
es bindet sanft, doch hart fordert die Pflicht.
Was unsre Träume, Wünsche, nicht vermochten,
nun eine andre Macht für uns erficht.
 
Gott gab uns Liebe, er wird uns geleiten,
damit wir rechte, lichte Wege gehn.
Er wird vor uns die Möglichkeiten breiten,
damit wir wagen, glauben und verstehn.
 

Der Raum
von Gisela Seidel

Der Raum riecht noch nach Dir
und wenn ich meine Augen schließe, bist Du hier.
Ich fühle Deinen Atem noch an meiner Wange,
und Deine starke Hand hält mich noch lange,
auch wenn es nicht in Wirklichkeit geschieht.
Du bist noch hier, doch Deine Schwingung flieht,
und schon nach kurzer Zeit geht sie dahin,
doch bleibst Du tief in Seele mir und Sinn.
Das Schicksal hat uns für die Ewigkeit verwoben,
es scheint, als hätten Engel uns ins Licht gehoben.
Ein Teil von mir bist Du, das ich nicht missen will,
an Deinem Herzen werd ich ruhig und still.
So gern würd' ich die Zukunft für Dich sein,
denn nur ein Tag mit Dir fängt mir die Sonne ein.
 


Wenn...
von Gisela Seidel
 
Wenn meine Liebe Flügel hätte,
käme sie zu Dir, wie ein zarter Schmetterling am Morgen,
und abends wäre sie die Nachtigall, die in Deinem Garten singt.
 
Wenn meine Liebe ein Kind wäre,
käme es zu Dir, in einem weißen Unschuldskleid,
mit dornenlosen Rosen für Dich, als Geschenk.
 
Wenn meine Liebe ohne Hoffnung wäre,
würde selbst der Sonnenschein in Trauer versinken,
und die Farben des Regenbogens färbten sich grau.

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Wenn meine Liebe ohne Sinn wäre,
würde ich verkümmern, wie eine Blume im Sommer,
der das Wasser des Lebens genommen wurde.
 
Wenn meine Liebe nicht in Dein Herz fände,
würden sich die Türen zum Paradies verschließen,
und ich triebe einsam durch die Zeiten.
 
Wenn Deine Liebe verginge,
würde das Leben ein graues Tuch über meine Welt breiten
und mir alle fröhlichen Farben nehmen.
 

Durchlebte Zeit
von Gisela Seidel

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Wie schnell die Zeit läuft,
wenn Du bei mir bist,
wie sie zu stehen scheint,
wenn Du mich küsst;
wenn Deine Hände sanft auf meinem Körper gleiten,
dann ist es so,
als würden die Sekunden schleppend schreiten,
und sich nur zögernd mit den Strömen der Vergänglichkeit verbinden,
als müssten unsre Seelen sich in ihren Tiefen wieder finden.
Nur unsre Liebe hilft uns aus dem irdischen Geschehen,
hinüber in die zeitenlose Dimension zu gehen.
Wenn unsre Geister sich im Über-All verbinden,
dann werden wir uns in den fernen Himmeln wieder finden,
die wir verlassen mussten schon vor Ewigkeit;
nun fanden wir uns auf der Erde wieder,
hier und heut.
Wenn mir Dein Augen-Blick wie ein Versprechen scheint,
das uns nicht erst in der Unendlichkeit vereint,
dann werden mir die Tage lang und endlos scheinen,
und in der Zeit des Wartens werd' ich bittre Tränen weinen.
Du gabst mir nichts,
nur Deine Liebe gabst Du, Deinen lieben Blick,
doch brachtest Du mir das Elysium in diese graue Welt zurück.
Gib mir die Hand für eine lebenslange Reise durch die Zeit,
sag niemals, unsre Liebe sei Vergangenheit.

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Wünsche
von Gisela Seidel
 
Ich möchte Dich in meinem Arm halten,
Dich warm halten, damit Du nicht frierst.
 
Ich möchte Dich am Morgen wach küssen,
den ersten Gedanken fangen, den Du verlierst.
 
Ich möchte Dich an die Hand nehmen,
und Dich führen, auch auf dunkelstem Pfad.
 
Ich möchte Dir stets der Weg sein, der bequeme,
den Du gerne gehst, auch auf steinigem Grat.
 
Ich möchte, dass Du Vertrauen setzt,
blind, in all meine Worte, mein Tun.
 
Ich möchte, dass Dich niemals mein Wort verletzt,
Du sollst immer am Herzen mir ruh’n.
 
Ich möchte Dir Liebe sein, wie ein Gebet,
das Dich mit den Himmeln versöhnt.
 
Ich möchte Dein Trost sein, so quälend erfleht,
der Dich streichelt und mit Sonne verwöhnt.
 
Ich möchte Dein Tag sein, Dein Abend, Deine Nacht,
die Geborgenheit, die Dich ins Bett gebracht.
 
Ich möchte Dich tragen und streicheln im Leid,
keine Angst soll Dich plagen, bis ans Ende der Zeit.

Homogene Mischung
von Gisela Seidel
 
Wo sich Geist und Geist berühren,
rinnt das Öl ins Wasser.
Fremdheit weicht, die du verspürt',
Grenzen werden blasser.
Cremig, der Zusammenschluss,
fließendes Verbinden.
Suchend wendet sich das Muss,
hin zum Wiederfinden.
 
Zeit an Zeit, gereift, gelebt -
Göttern gleich geborgen.
Sehnsucht hat ins Herz gewebt,
was du einst verloren.
Nun entdeckst du einen Drang,
den du schon vergessen,
und dein Herz wird still und bang:
Hattest längst vergessen!
 

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Was weinst du, Kind?
Weil deine Hoffnungen gestorben sind?
Ach, Hoffnungen, die sterben können,
sollst neidlos du dem Tode gönnen.
Sie waren Schein,
dem Leben lieh allein
nur deine Seelenkraft,
die immer wieder neue Hoffnungsbilder schafft.
 
Was weinst du, Kind?
Es trug nur welke Blätter fort der Wind,
doch deine Kraft des Grünens ist geblieben
und schenkt dir größre Hoffnung, rein’res Lieben.
Enttäuschung ist
ein Meilenstein und misst
den Weg und deine Kraft.
Wohl dir, wenn er dir zeigt,
wie nah das Ziel der Wanderschaft!
 
Was weinst du, Kind?
Es war die Gotteshand, sie hat nur lind
den Schleier von den Augen dir genommen.
Das Ende deiner Täuschung ist gekommen,
und du erschaust
die Wahrheit, und erbaust
ein neues Hoffnungsbild,
das nicht von dieser Erde ist und darum ewig gilt!
 
<Ephides>

Eine Liebe nur
von Gisela Seidel

Was ich Dir sagen wollte,
ist gesagt und doch...
 
Ein kurzer Weg war uns bedacht,
kein langer.
In vielen Nächten
lag ich von Gedanken schwanger:
Dann kam der Tag!
 
Er schickte einen grauen Morgen;
nur ein Gedanke blieb
und dunkel trieb in Raum und Zeit verborgen
ein Abschiedslied.
 
Ich glaubte einen Weg
für uns zu sehen,
den Du nie sahst.
 
Nun fühl ich unsre Zeit
vergehen,
wie welkes Gras.
 
Was ich Dir sagen wollte,
ist gesagt.
Zu Ende geht,
was einst so schön begann.
Wird sich die Tür zu Deinem Herzen schließen,
irgendwann?
 
Und meine Türe,
wird sie für Dich noch offen sein?
Ich weiß es nicht,
das weiß nur Gott allein.
 
Hast meine Liebe nie gewollt,
so tief und fest und doch...
 
Jetzt wirst Du ohne sie und ohne mich
Dein Leben weiter leben.
 
Nicht schwer sein soll Dein Herz,
denn Du verlierst ja nichts:
Ich war nur eine Liebe
und nicht Dein Besitz!
 

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Bittre Neige
von Gisela Seidel
 
Ich liebe Dich so sehr, dass ich vergaß,
dass wir nicht Eins sind, sondern zweigeteilt.
Ich liebe Dich so über jedes Maß,
dass mich die Trennung wie ein Todeskampf ereilt.
 
Ich habe nächtelang gelegen und gewacht!
Wer einst zusammenführend uns gelenkt,
der kann nicht Absicht haben und bedacht,
die Liebe hindern, weil er uns nun trennt.
 
So wie ein Leuchtturm steh’ ich, felsenfest;
Du kennst den Weg zurück, er steht Dir frei.
Noch schüttelt mich der Neige bittrer Rest,
des Daseins Kelch Dir abgenommen sei.
 
Was fürchtest Du? Du bleibst in Deiner Welt.
Doch ihrer Ordnung dienst Du nicht allein!
Der Seit an Seit uns zueinander stellte,
wird Planer unsrer Lebenswege sein.
 
Bringt Dich die Liebe einst zurück zu mir,
gelenkt von ihm, der einzig weiß warum,
dann öffnet er uns Herz und Seelentür
und wandelt Tod in neues Leben um.
 

Ich hab Dich lieb!
von Gisela Seidel
 
Dein Blick ist mir das hellste
Licht auf dieser Welt,
wenn Du es löscht,
bin ich allein im dunklen Raum.
Und meine Liebe zu Dir,
die mich unlösbar in Fessel stellt,
ist stark - will Früchte tragen,
wie ein Baum.
 
Doch Du beschneidest ihn,
lässt ihn nicht blühen,
und er fragt Gott: "Wann wird es Frühling sein?"
Die trüben Himmel sind stets über ihm
es bleibt die Kälte, und er steht allein.
 
Auch, wenn ich meine Hände nach Dir strecke,
so wie der Baum zum Himmel sein Geäst,
so bleibst Du fern, bist unerreichbar fort,
bist wie ein Horizont, der mir kein Leuchten lässt.
 
Nicht immer hält der Liebe Band
uns sanft umschlungen,
unlösbar ist es - trennen wird die Zeit.
So leb ich zwischen Sehnsuchtsleid
im Taumel, hoffend, wartend,
und täglich sind es die Erinnerungen
an jene Stunden,
als wir weltvergessen, voller Liebe,
einander in die Herzen lauschten,
und Liebe dort, so wie ein sanftes, frisches Windesrauschen,
ein Frühlingsweben in die Seelen schrieb:
 
Ich hab Dich lieb!
 

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Sonniger Nachmittag
von Gisela Seidel
 
Die Luft um uns hängt voller Geigen,
der leise Wind ist ganz erfüllt
 von Glücksgefühl. Ein Strahlenreigen
umspielt Dein liebes, trautes Bild.
Der Zweige sanftes Auf und Nieder
 klingt rhythmisch, wie ein Flügelschlag,
es schwingt in unsren Herzen wider,
der golddurchwirkte, heitre Tag.
Wie Flüstern hebt das Blätterrauschen
von Baum zu Baum sich, wie ein Chor.
Es singt und klingt – wir steh'n und lauschen
und Seligkeit durchströmt das Ohr.
Wir fühlen Harmonie und Frieden,
der unsre Seelen sanft erfasst,
vereint mit der Natur, getrieben
von Liebe, fern von aller Last.
 

Gnadengabe
von Gisela Seidel
 
Dein Gesicht, wie es strahlt!
Einzig das Anschauen malt bunte Bilder
in mein graues Denken.
Wie Deine Sonne von innen Dich malt!
Sie weiß Dir göttlichen Schimmer
zu schenken.
 
Wie Dein Herz mich erhellt!
Deine Blicke halten ganz fest, sie zügeln
den unruhigen Geist.
Es scheint nicht von dieser Welt,
wenn das Gefühl vom Schweben
mich vom Hier und Jetzt entreißt.
 
Wie sehr Du mich erfüllst!
Worte, sie führen zusammen; verbinden
Geist und Körper im Fluss.
Charismatisch ist das Empfinden!
Die Anziehung, wie ein
nicht endendes Muss.
 

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Irgendwann
von Gisela Seidel
 
Irgendwann, da werde ich Dich fragen!
Fern noch liegt der Tag in grauer Zeit.
Irgendwann in jenen Frühlingstagen,
wählst Du für uns zwischen Glück und Leid.
 
Wirst Du bleiben oder trennt für immer
Deine Wahl uns, ohne ein Zurück?
Bringt mein stärkstes Hoffen nimmer
wieder mir das größte Lebensglück?
 
Wirst Du gehen, niemals wiederkehren,
wenn Dein Mund die letzte Wahrheit bringt?
Nur mein banges Herz wird aufbegehren,
wenn meine Seele mit dem Teufel ringt.
 
Löscht Du die Sonne mir in dieser Welt,
bleib ich alleine, hier, in meiner Einsamkeit.
Wenn hinter Dir der schwere Vorhang fällt,
wird sich das Sterben zeigen, vor der Zeit.
 
Denn mit Dir geht all meine Kraft, mein Heil, 
Du trägst in Deinem Herzen meinen Geist,
wie einen Schatten - Deiner Seele Teil,
der mit ihr durch die Ewigkeiten reist.
 

Raum der Stille
von Gisela Seidel

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Ich rufe Deinen Namen…LAUT!
 
Du hörst mich nicht - Du bist so weit.
Kein Wort dringt in die Einsamkeit hinein.
In meinem Raum der Stille steht die Zeit!
Nur Eines drängt sich in mein Herz, das Wort: ALLEIN.
Wo sonst Gefühl, da steht ein Nichts im Raum.
Es treibt ein Vakuum mir in die Sinne ein
und legt sich dunkel mir in jeden Traum.

Die Ströme der Gedanken stehen still,
um mich die laute Flut des welken Tags,
wo monoton die Zeit nur stehen will,
das Warten endlos an der Seele nagt.
Dringt Schwere in die Langsamkeit der Zeit,
wird jeder Augenblick zur Phantasie,
bereitet ihr den Hauch von Ewigkeit;
der Tag scheint endlos – irgendwie.

Trug-Schluss
von Gisela Seidel
 
Manche Träume, die träumt man allein,
des Abends bei flackernden Kerzen,
manch eine Treue ist leider nur Schein,
die Wahrheit erkennt man mit Schmerzen.
 
Manch einen Wandel durchlebet die Zeit,
was gestern geglänzt, steht durchrostet.
Schnell friert die Liebe im eisigen Kleid,
Wärme von einst ist durchfrostet.
 
Vermeintliches Gold wird zum wertlosen Tand,
blättert ab von brillanter Attrappe.
Nimmt dem Edlen das Feine, die entblößende Hand,
wird das Hartgold zur biegsamen Pappe!
 
Manch eine Liebe ist Alltag und Pflicht,
manch eine bringt Wachstum und Segen.
Gefühl und Vertrauen, wenn beides bricht,
sinkt die Sonne im Schatten des Regens.
 

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Wochenende!
von Gisela Seidel
 
Herzweh statt Freude,
verhaltenes Warten,
Blick auf die Uhr.
 
Gedanken,
bedrückend, verharrend im Leide,
wartend und hoffend,
von Glück keine Spur.
 
Lösung?
Nicht dürfen,
nicht können,
nicht wollen!
 
Fragen ins Leere!
Steht Pflicht vor Gefühl?
 
Abwenden,
leugnen,
Achtung zollen,
Gefühle der Anderen -
ein bitteres Spiel.
 
Ausweg?
Bringt Trennung!
Auf steinigen Wegen,
Wandel,
der schmerzhaft
das Neue gebiert.
 
Zeit und Geduld?
Ein klagendes Streben,
das meine Tage
mit Trauer verziert.
 

Mein Weg
von Gisela Seidel
 
Vier Wände um Dich,
Mauern, meterdick,
sie lassen mir kein Licht,
nichts dringt zu mir,
das Dunkel weicht
mir nicht ein kleines Stück,
verschlossen bleibt zum
Herzen Deine Tür.
 
Wo sonst Gefühl,
klafft unverhüllt ein Nichts,
ein Schweigen, das sich
an den Mauern bricht.
Wo sonst die Leidenschaft
fast nie erlischt,
treibt nun ein kühler
Wind mir ins Gesicht.
 
Wie sehn ich mich
nach Deinem lieben Wort,
nur sachlich schreibst
Du mir aus Deiner Welt,
als ob die Frau an Deiner
Seite ahnt,
den fremden Ton,
der auf die Tasten fällt.
 
Versteckt, verborgen
in der Illusion, im Labyrinth
des ewigen Verzichts,
als ob die Liebe hier
der Schlüssel ist,
doch oft passt er zu Deinem
Herzen nicht.
 
Verschließt Du Dich vor mir
geh ich zurück
in mein verlass’nes Tal der
Einsamkeit.
Begleitet hast Du mich
ein kleines Stück,
auf meinem Weg
durch meine Dunkelheit.

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Herzschlag an Herzschlag
von Gisela Seidel
  
Wie ich Dich liebe, ist schwer zu beschreiben:
Du fließt in all mein Denken und Tun!
So wie die Blumen, zur Sonne sich neigen,
lässt dies Gefühl in mir niemals mich ruh’n.
 
Stets ist es da, so mächtig und bindend,
dass alles andere ganz unwichtig wird.
In Deinen Augen, so tief wiederfindend,
dass meine Seele den Weltschmerz verliert.
 
Herzschlag an Herzschlag spür ich Deine Nähe,
wie sich Dein Geist mit dem meinigen eint.
Hoffnung, tief in mir, dass niemals vergehe,
was uns verbindet und so einzig erscheint.
 
Du bist als Mensch so besonders und wichtig -
nie hab ich Gleiches schon einmal verspürt.
Dein Blick - so tief, doch der Alltag macht nichtig,
was unsere Seelen zusammengeführt.
 
Reine Gedanken, entfesselte Triebe,
halten das unsichtbar schmiegende Band.
Worte, gesprochen, geschrieben in Liebe,
sind wie ein Wandeln an weltfernem Strand.
 

Herbstschwere
von Gisela Seidel

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Schweigen, Stille, Dunkelheit -
nur das Rauschen müder Blätter,
die sich langsam lösen von den Zweigen.
Schaukelnd fallen sie der Nacht entgegen,
blüh’n noch einmal auf, in buntem Zauber,
legen eine farbenfrohe Decke auf die Wege,
majestätisch liegt die Welt im Sterben…
und der Tod, er schreitet still darüber,
um den Lebenskreislauf abzuschließen.
 
Herbstgedanken – Sonntagsstille !
Und die Uhr, sie tickt und tickt,
streut monoton Sekunden in das Grau,
das ruhig dahin fließt, wie ein träger Fluss.
Ich treibe haltlos, sinke in das Nirgends;
bin losgelassen, treibe ohne Dich.
Ertrinke in den Fluten der Gedanken,
die mich ziehen, immer tiefer, und ich falle
wie die Blätter von den Bäumen…
und der Tod, er schreitet still darüber.

Still sein…
von Gisela Seidel

Still sein soll mein Herz –
 kann im tiefen Schmerz
 keine schwere Last mehr tragen,
 will verzagen an der Welt,
 an den vielen bangen Fragen,
 die uns unsre Liebe stellt.
 Oft trifft die Erkenntnis bitter
 in den weichen Seelenkern,
 und der letzte Hoffnungsstern
 glänzt mir trübe durch die Gitter.
 „Einzelhaft – ein Leben lang!“,
 hör ich meine Seele klagen.
 Werde niemals mehr befreit,
 will und kann es nicht ertragen!
 Wenn der Kerkertüre Schluss,
 sich vollzieht durch Deine Hände,
 fällt des Schattenbildes Guss
 hier an die Gefängniswände,
 und Dein Bildnis schwebt im Raum,
 um schnell wieder zu verblassen.
 „Irgendwann muss ich Dich lassen!“,
 flüstert es mir leis' im Traum.
 Kann das Schicksal nicht verstehen -
 es erscheint mir wie ein Hohn!
 Bleibt mein Wunschbild – Illusion?
 Und beim traurigen Erwachen,
 höre ich das Schicksal lachen:
 Es trägt Deiner Stimme Ton!
 

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Unser Weg
von Gisela Seidel
 
Sehnsüchtig blicke ich ins Weite,
geh still den Weg, der unser war.
Nachdenklichkeit geht mir zur Seite,
macht mir mein Sehnen offenbar.
 
Zeugt jeder Stein und Baum des Weges
von Deiner Gegenwart allhier,
so wird mein Gang - ich überlegt es -,
ein Weg, der tiefen Seufzer mir.
 
Nur Trauer fühl ich, übermächtig.
In mir tobt Wehmut, Gram und Pein.
Mein Gang ist schwer, mein Schritt bedächtig,
denn heut geh' ich den Weg allein.
 
Der Wind, er haucht mir Deinen Namen,
„Mein Liebes“ schwebt mir sanft durchs Licht.
Doch, ach, der Spott kennt kein Erbarmen,
wenn er mit Deiner Stimme spricht.
 
Treibt hohnvoll mir mit diesen Worten
den Schmerz in meinen Seelengrund.
Fühl ich an den vertrauten Orten,
noch Deinen Kuss auf meinem Mund.
 
Dort steht verwaist die Bank. Und wieder
füllt sich mit Traurigkeit mein Herz
und meine tränenschweren Lider,
verschließen sich in wehem Schmerz.

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 Wo bist Du, der mir so vertraut,
der mich so sanft und zart umfing?
Nichts blieb mir! Wie der Abend graut,
so graut mir auch mein Lebenssinn.
 
Warst meines Daseins reichste Fülle,
gabst Liebe mir als schönen Schein.
Trag deren inhaltslose Hülle,
in eine leere Zeit hinein.

Abstand !
von Gisela Seidel
 
Wie ein Dolchstoß traf mich dieses Wort,
wie ein Pfeil durchdrang es Mark und Bein.
Aus, vorbei! - Ein kurzer Schlussakkord,
klang mir warnend tief ins Herz hinein.
 
Wo vor nicht allzu langer Zeit
Nähe und Verbundenheit bestand,
löst nun dieses messerscharfe Wort
für ewig unser 'untrennbares' Band.
 
Nichts blieb mir, nur Leere, Illusion.
Abstand halten, wird zur Zukunftspflicht.
Trifft mich doch Dein harter Liebeslohn
wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht.
 
 Deiner Liebe hab' ich blind vertraut,
doch sie war ein langes Trauerspiel.
Wo normal sie Zukunftsschlösser baut,
hattest Du nicht einen Stein, - kein Ziel.
 
 Alles nahmst Du mir, nichts bleibt zurück.
Scherben kann man kleben, Herzen nie!
Kreuzt sich dennoch unser Weg ein Stück,
werd' ich Abstand halten...irgendwie.
 

Vergleiche
von Gisela Seidel
 
Bin ein Vulkan, mit Lava überströmt.
Mein Außen ist erstarrt, mein Innen glüht.
Es bettet mich die heiße Asche ein.
Bringe das Unheil, wenn der Morgen früht.
 
Bin längst wie ein verglühter Stern im All,
der, obwohl tot,
sein Leuchten sendet in die Nacht.
Bin wie der Vogel, der frühmorgens sang,
bis ihn die Katze abends umgebracht.
 
Wenn mir der hellste Klang im Moll ertönt,
werd’ ich in diesem Ton gefangen sein.
Treib wie ein Holzscheit in der offnen See,
bin wie vom Fluch gebannt in einen Stein.
 
Bin einer neuen Wunde bittres Weh -
die tiefe Einsicht, bringe den Verzicht.
Bin das erfror’ne Pflänzchen unterm Schnee,
ein langes Schweigen, das man endlich bricht.
 
Als längst vergess’ne Illusion
in Deinem Unbewussten treib ich hin,
treib fort von Dir, räum hoffnungslos den Thron
der ungekrönten Königin. 
 

Tropfen
von Gisela Seidel

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Wasserperlen kleben auf der Scheibe -
unaufhörlich wie der Regen rinnt.
Tropfen, schillernd im kristallnen Kleide,
fließen ineinander mit dem Wind.
 
Wie die Tropfen waren wir verbunden,
spürten uns bei Tag, im stillen Traum.
Nun ist alles, was uns band verschwunden,
keine Liebe füllt den toten Raum.

Kalt und leer hast Du Dich selbst beschrieben,
denn Dein Lebenskrug brach jäh entzwei.
Nichts als Wehmut ist zurück geblieben,
und der Regen klopft den Takt dabei.
 
Alle Wärme wurde mir genommen,
spür' nur Kälte statt Geborgenheit.
Wird die Sonne nach dem Regen kommen,
oder gar ein neuer Winter vor der Zeit?

Wenn Du wiederkommst
von Gisela Seidel

Wenn Du wiederkommst,
wird meine Seele jubilieren.
Wie ein fruchtbarer Boden
zwischen kalten Steinen
wirst Du erscheinen.
Mein Herz kann nicht still sein,
will Dich nicht verlieren,
im Weinen.
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Meine Arme sind leer,
meine Sinne so trübe –
als grübe sich dumpfer Schmerz
in mein Denken.
Mir ist das Leben so schwer,
fühl’ mich unendlich müde.
Wohin wird es mich lenken?

Wie ein Liebesbrief
mit erbrochenem Siegel,
der versteckt vor der Welt
Deinen Namen trägt,
bist Du mein Ich hinter dem Spiegel,
das sich wie ein Gewissen in mir regt.
 
Untrennbares löst sich,
es bindet das Leben;
das Schicksal trägt in sich,
was geht und beginnt.
Die Hoffnung breitet in Liebe die Flügel,
wenn Du wiederkommst,
mit dem Frühlingswind.

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Ausgeträumt
von Gisela Seidel

Aus meinem Traumstein
sind die Träume entflohen.
Wie die Schatten der Nacht
sind sie im Nichts verschwunden.
Als das Licht mir die Wahrheit zeigte,
habe ich sie freigesprochen,
vom Bann ihrer Bestimmung.
Nun schweben sie im kosmischen Nichts,
auf der Suche nach einer neuen Vision,
schöner noch als die alte.
Irgendwann werde ich wieder einen neuen Stein finden,
bereit, mich und ihn mit schönen Träumen zu füllen,
für eine neue Bestimmung.
 

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Zerbrochen
von Gisela Seidel

So viele Tränen hab ich geweint,
zu Hause in dunkelster Stunde.
So viele Verse hab ich gereimt,
sie tragen des Leids bittre Kunde.
 
Vergeblichkeit spür’ ich, in all meinem Tun,
bei Tag und bei Nacht in den Gliedern.
Meine zerbrochene Seele muss ruh’n.
Gabst meinem Gefühl kein Erwidern.
 
Mit vollen Händen stand ich vor Dir,
gab Dir mein Herz, unverwunden.
Du hast’s genommen, doch was gabst Du mir:
Nur ein paar gestohlene Stunden!?
 
Brachte der Wahn mit vermeintlichem Glück,
nur Illusionen und Träume zum Blühen,
lass’ ich mit bittrer Ent-täuschung zurück,
all’ meine Hoffnung, mein Mühen.
 
Alles im Wandel! Die Gegenwart rinnt
wie feiner Sand durch die Hände,
auch, wenn das Sehnen tief in mir brennt,
so fühl ich doch: Es ist zu Ende.
 
Wieder hat meines Schicksals Geschick
ein bittres Kapitel geschrieben.
Die Zeit begräbt mein scheinbares Glück,
ich werd’ von ihr weiter getrieben.
 
Lange noch sucht die Sonne vergebens,
einen Weg, durch die Wolken zu scheinen.
Solang’ der gänzliche Sinn meines Lebens,
ist, Deinen Verlust zu beweinen.
 

Getrennte Wege
von Gisela Seidel
 
Der lange Weg, er teilt sich in der Mitte
Und jeder Abzweig strebt ins Nirgendwo.
Du wähltest Deinen Weg, mit festem Schritte,
längst bist Du weit von mir, im Irgendwo.
 
Hast ein Kleinwenig noch am Horizont gestanden.
Hast Deinen Kopf nach mir gewandt ein letztes Mal.
Als meine Hoffnungen mit Dir im Nichts verschwanden,
hab ich geweint in langer, stiller Qual.
 
Du ließest mich zurück. Im Alltagstreiben
war mir Dein Leben völlig abgewandt.
Wenn tausend Dichter ‚schön’ von Liebe schreiben,
dann haben sie die unsre nicht gekannt!
 
Was mir ein Glück zu sein schien, war kein Segen,
es war nur Illusion, ein Tränenhort.
Die spülten wie ein sintflutart’ger Regen
all unsre Herzverbundenheit hinfort.
 
Die ‚kalten’ Augen wähltest Du! Die warmen
sind doch längst trüb geweint, vom Gram ganz alt. 
Du lässt Dich von Erinnerung umarmen
und willst nicht sehn: Die Gegenwart bleibt kalt.
 
Noch fühlen wir Gedanken. – Sie vergehen!
Erinnerung verblasst – der Weg ist weit!
Und unsre Liebe blieb am Wegkreuz stehen,
bald liegt sie tief unter dem Schnee der Zeit.
 

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Traumbild
von Gisela Seidel
 
Bald bist Du gänzlich fort aus meinem Leben!
Du gehst nicht ganz – ein kleiner Teil bleibt hier,
den senke ich mit liebevollem Weben
in die verborgne Kammer meines Herzens mir.
 
Nicht losgelöst sind alle Erdenstricke.
Noch hält mich die Erinnerung gebannt,
doch bald pflegt Schwester Zeit mit leisem Schritte,
mir mein gebrochnes Herz mit sanfter Hand.
 
Sie wird den Balsam des Vergessens auferlegen,
der wie der Nachtwind sich in Seelen senkt.
Sie wird die Wunden heilen, die noch quälen
und tröstend Sehnsucht stillen, wenn der Tag beginnt.
 
Die Einsamkeit wird sich in Stille wandeln,
mein Herz wird heilen, irgendwann und -wie.
Nur manchmal senkt mir Dein verklärtes Handeln
„Verbundenheit“ in meine Phantasie.
 
In diesem Dunstbild sehe ich Dich wieder,
Du hüllst mich ein, in weißes Traumgespinst.
Dein Geist singt mir am Tage Trauerlieder,
zeigt mir, dass Traumesbilder nicht das Leben sind.
 

Mein Halt
von Gisela Seidel
 
Mein Herz ist müd’ vom Weinen, Hoffen.
Nicht enden will mein schicksalsschwerer Gang
auf Wegen, steinig, zukunftsoffen -
weit fort von Dir.
 
Ich schau den Himmel an!
Mir scheint, das Blau ist fahl,
wird nie mehr leuchten.
 
Ein Sonnenstrahl streift mild mein Angesicht.
Er trocknet meine Augen nicht, die feuchten;
an meiner Traurigkeit zerbricht sein Licht.
 
So lang schon bist Du fort, und immer wieder
spür ich das Atmen Deiner Seele um mich her.
 
Dein Geist ist bei mir! Schwer sind meine Lider!
Nur Deine Augen sehend wandle ich umher.
 
Bin nicht mehr ich! Mein Sein ist gramestrunken!
Nichts und doch alles bindet mich an Dich!
Wenn ich in Nächten tief im Traum versunken
mein Selbst verliere, halte mich!
 

Genius huius loci –
Der Geist dieses Ortes

von Gisela Seidel

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Es gibt einen Ort, dessen Schwingung,
erstrahlt mir so rein wie Kristall.
In seinen Facetten, da spiegelt
sich Dein Geist noch ein letztes Mal.
 
Spür’ noch Deinen Arm, Deine Blicke,
die heller erstrahlten als Licht.
Warst mir der Schönste zum Glücke,
erhaben, Dein Geist, Dein Gesicht.
 
Als leise im Frühlingserwachen
Dein Mund mich zärtlich berührt,
da hab ich auf heißen Wangen
den Hauch Deiner Liebe gespürt.
 
In unseren Herzen lag Frieden,
Glückseligkeit gab uns Geleit,
doch blühten die Herbstzeitlosen
schon lange uns vor der Zeit.
 
Das Schicksal, es streute uns Rosen,
doch der Geist unsrer Liebe trieb fort.
Vorbei ist das Streicheln und Kosen,
die Blüten, zertreten, verdorrt.
 
Das Leben hat alles genommen;
Dein Geist ist so fern mir, so weit.
Nun ist der Winter gekommen -
Du hast Dich von mir befreit!

Fern von Dir
von Gisela Seidel
 
Du bleibst die größte Liebe meines Lebens,
verblasst ist nur der öde, äußre Schein;
er trug den Glanz des Wollens, nicht des Gebens;
die falschen Hoffnungsschimmer trübten ein.
 
Du warst die Andacht, ich der Wahrheitsfinder,
der sich im Nebel stets im Kreise dreht.
Um dich der Hauch der Reinheit; Seelenbinder
warst Du, den ich mir einst von Gott erfleht.
 
Die Trauer ist der dunkle Dieb des Lichtes,
sie nahm mein Innen – ich versink in ihr.
Tief auf dem Todesgrund in mir gebricht es.
Was wärmend Dich und mich einst band, gefriert.
 
Ich schüttle ab die schweren Kälteschauer,
doch greift die kalte Hand erneut nach mir.
Sie reißt mich mit, ich treib in hoffnungsloser, grauer
Vergessenheit. Nichts führt zurück zu Dir.
 
Wie soll ich Deine Augen je vergessen?
Wenn ich hineinsah, fühlte ich das Glück!
Die Sehnsucht hat mein krankes Herz zerfressen.
Kein weher Wunschgedanke bringt dich je zurück.
 
Auch, wenn ich des Vermissens stille Qualen
noch immer leide…mehr, mit jedem Tag,
muss ich auf schwarzer Leinwand fremde Bilder malen,
weil ich das Bild von Dir nie wieder denken mag.
 
Wenn ich es denke, bricht mir Dein „nicht Wollen“
mein Herz in stiller Seelenqual. Du fehlst!
Das neue Jahr begann mit Donnergrollen.
Wird es mir Tage bringen, die Du nicht beseelst?!
 
Mein Alles warst Du – ich war nur die Schwere,
die Last, die auf Dir lag und die Dich bitter machte.
Du wolltest Ruhe, tauschtest Liebe ein, in Leere.
Wortlos gingst Du! Ob es Dir Frieden brachte?
 
Ich gab die Hoffnung auf – sie starb und doch…
sitz’ manchmal ich am Fenster, schau hinaus.
Gleich kommt er um die Ecke, denk' ich noch,
dann seh' ich Dich im Geiste: meine Maus.
 
Kurz streichle in Gedanken ich Dein Haar,
fühl Dein Gesicht für einen Augenblick.
Doch schon beim nächsten Wimpernschlag ist klar:
Es war nur Illusion…und doch mein ganzes Glück.
 

Gewissheit
von Gisela Seidel

Es wird noch lang so bleiben,
und ich fürchte mich:
Nur eisiges Schweigen
zwischen den Wänden -
und ich!
 
Da ist kein ‚Wir’,
das sich im ‚Uns’
verschließt – kein ‚Du’.
Kein Vogel singt
ein Lied für
‚unsren’ Tag!
 
Mit Sonnenhänden
hast Du mich berührt,
und Hoffnung in den
Garten meiner Seligkeit
gepflanzt.
 
Doch ewig bist Du fern,
und wo die andern Pärchen
liebend beieinander sitzen,
da ist kein Platz für uns.
 
Du sitzt mit andern –
nicht mit mir!
 
Dort, wo die Hoffnung
in mir wuchs,
blüht einzig wehes Bangen,
denn Deine Sonnenhand,
sie brannte mir
Entsagen in das Herz.
 
Die Tage ohne Dich
sind dunkel mir und kalt,
und alle Wege, die ich jemals
ging mit Dir,
sie liegen traurig, tot im
Schatten unsrer Liebe.
 
Bitte, komm bald!

Tausend Höllen
von Gisela Seidel

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Tausend Münder kannst Du küssen,
tausend Lippen;
tausend Zungen kannst Du spüren.
Niemals findest Du DEN Mund,
der Dich geküsst wie meiner,
der Dich völlig löste von der Welt,
der Dich fern in tausend Himmel trug. -
SO küsst Dich keiner!
 
An Deinen Lippen hing ein Beben,
als küsst’ ich tausend Lippen.
Ich streichelte die Wangen Dir wie Samt,
und Deine Stirn liebkoste ich wie Seide.
Aus Deinem Mund hab ich mich satt getrunken,
er labte mich noch süßer als der Wein.
Und Deine Augen, wie ein Ort, versunken,
zog mich in tiefste Harmonien hinein.
 
Nun lieg ich auf dem Grund des Tränensees,
ertrunken,
mich hat die Welle fort von Dir getragen.
In Deine Arme war ich hingesunken,
achtlos und schwach
hast Du mich fallenlassen,
in tausend Höllen.

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Flüchtiges
von Gisela Seidel
 
Ich schau zum Himmel...
wie das Wolkenband entschwebt,
so, wie die Zeit entgleitet,
und die Gedanken suchen
ihren Weg zu Dir,
fern bist Du mir, so, wie die Schäfchen
dort am Firmament.
Ich trage Dich
in meinem müden Herzen,
wie ein Beben,
das mich erweckt und fühlend macht,
im Schmerz.
Der Tag vergeht,
so, wie das Wolkenband entschwebte,
doch Du bliebst fern mir.
Oh, so dunkel wird die Nacht!
Die langen Stunden waren voller Schweigen,
gefüllt mit Sehnsucht bin ich,
wie ein Schwamm, mit Bitterkeit.
Ich resigniere an der Welt, am Leben,
wo ich die Liebe suchte,
fand ich Leid.
 

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Schmerz
von Gisela Seidel
 
Es schmerzt so sehr:
Ich lese Deinen Namen!
Er streut mir Salz
in meine offnen Herzenswunden.
Aus meinem Leben längst
verschwunden, bist Du…
und immer noch kein „Amen“.
 
Weiß nicht was wird.
Hab’ keine Ziele mehr und kein Warum!
Ich sah im Traum Dich gehen…
abgewandt und stumm,
und neben mich trat ein
Kapuzenmann in schwarzem Lein’.
Seitdem Du gingst, steh’ ich mit ihm allein.
Der Tod ist gnädig, trotzdem fürcht’ ich ihn.
Er ist so kalt und fordert tausend Tränen.
Die Einsamkeit quält mich mit wehem Sehnen,
und Finsternis liegt mir auf Leib und Sinn.
 
Weiß nicht was wird.
Hab’ keine Träume mehr und kein Wofür.
Nicht ein Mal schautest Du Dich um nach mir,
nicht ein Gedanke mehr für mich…kein Wort!
 
Weiß nicht warum…
Du gingst ganz einfach fort.
 

Und manchmal...
von Gisela Seidel
 
Und manchmal ist er noch da.
Dann füllt sich die Traumwelt mit Licht.
Obwohl schon so fern… doch so nah.
Und manchmal seh’ ich sein Gesicht.
 
Ich seh’ seine Lippen, so stumm,
und Hände, die greifen nach mir;
fühl’ seine Gedanken. Nur dumpf
dringt’s durch die verschlossene Tür.
 
Wie ein Reim, der harmonisch sich schließt…
War verbunden im Gleichklang mit ihm.
Wenn Moll Melodien durchfließt,
halte ich still sein Requiem.
 
Kein Gefühl dieser Welt füllt mein Herz,
kein Vers reimt sich wieder auf ihn.
Aus Harmonie wurde Trauer und Schmerz,
Erinnerung bleibt! – Wo der Sinn?
 

Die Liebesqual,
von Gisela Seidel

faust 

sie streicht mit sanfter Feder
über deine Haut.
 
Ein zartes Spiel,
noch lächelst du,
dem Streichelnden vertraut.
 
Doch jedes lose Gleiten
wird schnell zur Folter dir,
und du erstarrst
beizeiten.
 
Gefährlich ihre Kür.
Gefühlskalt geht sie mit dir
ganz grausam ins Gericht.
 
Sie lächelt noch,
mit Grausen erkennst du
ihr Gesicht.
 
Sie lacht das gleiche Lachen,
aus dem die Lust entsprang.
 
geöffnet war ihr Rachen,
mit dem sie dich verschlang.
 
Nun liegst du ihr im Magen,
du wälzt dich in der Qual.
 
Trotzdem würdest du sagen:
„Dasselbe noch einmal“. 

Hass ist
gefrorene Liebe,
die das Erdreich
flutet.
 
Die Eiszeit wird
enden,
wenn das Licht
keine Schatten
mehr wirft.
 

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Selbst befreit
von Gisela Seidel
 
So, wie ein Hauch
im Fluss der Zeit verdunstet.
Gelöst, gelöscht die Spur,
die tränenreich verschwamm.
 
So trieb der Rauch,
der lichtlos sich verdunkelt,
aus meiner Hölle hoch empor,
als Glut noch glomm.
 
Was bleibt zum Schluss?
Ein Nicht-Verstehen,
Vertrauensbruch und Schmerz,
der tief begraben in der Grube ruht.
 
Doch weckt man ihn,
zerreißt es mir das Herz,
und aus dem Rauch
und aus der Asche steigt die Wut.
 
Es gab kein Wort,
kein Abschied…letzte Blicke.
Erklärung suchend
deute ich den Schluss.
 
So wende ich mich ab,
ertrag die Tritte,
von dem, der „rein“ zu sein schien,
mit Verdruss.
 
Benutzt, gedemütigt, verworfen,
verletzt, verstoßen – längst bereut.
Verbrannt im großen Höllenofen
der Fehler…schließlich selbst befreit.
 

Seelenflüge
von Gisela Seidel

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Die Seele öffnet ihre Flügel, wenn sie liebt.
Hebt alle Erdenanker, treibt im Meer des Sehnens,
und so, wie Sommerwolken über Wellen schweben,
treibt sie bis an die fernsten Weltenenden
im Strom der Leichtigkeit dem Liebenden entgegen.
 
Der Ruf der Seele sucht das Ohr des andern,
der einsam und allein am fernen Ufer stehend wartet
und voller Angst den Weg zurück nicht findet.
Dazwischen sucht die Woge des Vergessens
im Strom verflossner Zeit Vergangenes zu lösen.
 
Die Seelenflügel sind im Liebesfluge weit gebreitet.
Sie suchen Herzensbrücken über Abgrundtiefen
auf neuem Grund zu bauen. In Liebe fest verankert,
dem bodenlosen Strudel fliehend.
Nur, wenn man liebt, dann hat die Seele Flügel.

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Wertlos
von Gisela Seidel


Wertlos sind heut manche Sachen,
die mir einmal wichtig waren.
Und nach vielen, langen Jahren
kann ich nun darüber lachen.

Menschen, Werte, Liebe, Leiden,
sie vergeh’n im Strom der Zeit.
Hat sie uns vom Trug befreit,
bringt sie lächelnd späte Freuden.

Gerade noch gestreichelt, später
ist’s die Andre. Wie verlogen
wird so manches Herz betrogen!
Der Geliebte wird zum Täter.

Was uns glänzend blendet, stumpft,
Liebe ist ein Wort – nicht mehr!
Hier auf Erden fehlt uns sehr,
was in höchsten Himmeln trumpft.

Es ist gut, dass manches endet!
Liebe trübt so oft die Sicht,
und bei hellem Tageslicht
wird der schöne Schein gewendet.

Wir verlieren unsre Träume,
deren Wahrheit wir erwarten,
denn im großen Liebesgarten
wachsen viel zu hohe Bäume.