Natur und Schöpfung

Natur
von Gisela Seidel
 
 Ein weites Land breitet sich aus,
küsst fern den Horizont,
das wie des Wandrers buntes Haus
unter den Himmeln wohnt.
 
Geleitet rastlos wie der Wind,
so sonnenwarm beschienen,
vertreibt die milde Luft so lind,
die Bitterkeit der Mienen.
 
Die Welt als grenzenloser Raum
lädt ein zur stillen Rast;
Natur sie winkt mit Strauch und Baum,
grüßt dich als lieben Gast.
 
Genieße still am lichten Tag
lauschend die Vogelrunde.
Vergiss der Mühen Leid und Plag
in schöpfernaher Stunde.
 

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Frühlingssehnsucht
von Gisela Seidel
 
Eiswind bläst mir entgegen,
als ich die Türe öffne.
Schnee liegt auf allen Wegen,
leer sind der Vögel Kröpfe.
 
Ihr Zwitschern ist verklungen –
Schneestille fließt so weiß –
noch gestern wurd’ gesungen
von Frühlingssehnsucht leis’.
 
Es wird noch lange dauern,
bis die Natur erwacht
und vor den tristen Mauern
 die helle Sonne lacht.
 
Doch einmal wird er kommen,
der Lenz nach langer Nacht,
bringt das Gefühl der Wonnen,
das uns so glücklich macht.




 

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Winterschlaf
von Gisela Seidel
 
Es treibt des Winters kalter Hauch
den ungestümen Wind über die Felder,
gefror’ner Tau
auf allen Wiesen und auf jedem Strauch,
und in der Ferne eiserstarrte Wälder.
 
Es ruht die Seele der Natur
vom langen Sommerreigen;
gesenkter Puls der Zeit
 will uns zur Ruhe treiben.
 
Die Kälte der Natur ist außen,
doch im Innern,
wird uns der erste Frühlingskeim
an ihren warmen Seelenkern
erinnern.
 
So denke, Mensch,
das Ende wird ein neuer Anfang sein.
So kannst du dich in kalten Winterzeiten
auf das Erwachen in der Frühjahrssonne freu’n.


 

Winter adé
von Gisela Seidel
 
Die Wärme kriecht durch meine Haut,
durchfließt die kleinsten Poren,
die Sonne strahlt, wohin man schaut
wird neues Grün geboren.
 
Die Bäume voll der Knospen Pracht,
stehn bald in neuem Kleide,
der Frühling hat sie über Nacht
befreit vom Winterleide.
 
Die Erde atmet tief und dehnt
sich aus im dunklen Bette,
streckt sich nach langer Nacht und gähnt,
durchtrennt die Zeitenkette.
 
Die kalte Zeit wird bald vergehn,
sie scheidet nun, mit Wehen
wird eine neue Welt entstehn,
zum staunend Wunder sehen.
 

Erste Sonnenstrahlen
von Gisela Seidel
 
Wenn warm die Sonne
durch die Wolken bricht
und will der Welt
die ersten milden Strahlen spenden,
streckt sich der Mensch
wie eine Blume
nach dem Licht,
der Kälte müd’,
wird er sich zu ihr wenden.

Schneetreiben

Schneeflocke
von Gisela Seidel
 
Der Wind trägt dich aus fernen Weiten,
lässt dich aus grauen Himmeln gleiten,
glitzernd wie ein kristallner Stern.
 
Bist so vergänglich, winzig klein,
doch wirst du in Gesellschaft vieler Flocken
bald wie ein weißer Riese sein.
 
Ein kühler Hauch bist du, bedenkt,
aus Wasser nur – auch wenn man’s halten kann,
doch rinnt aus deinem Schmelz alsdann
wieder ein flüchtig’ Element.
 
 

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Frühlingssonne
Von Gisela Seidel
 
Der Morgentau klebt an den Blütenblättern
der ersten Frühlingsblumen, wie in jedem Jahr
 
zwitschern die Vögel laut, bei trüben Wettern,
als wären warme Sonnenstrahlen da.
 
Noch scheint sie schwach und stark verhangen,
als wolle sie nicht durch die Wolken brechen;
 
der Tag hält sanft das Morgenlicht gefangen,
will mild sich für die kalten Nächte rächen.
 
Der Winter geht mit langem Trauerscheiden
und zieht sein dunkles Band am Horizont;
 
die Welt vergisst ihr tristes Winterleiden
und atmet tief: Ein neuer Frühling kommt!
 

Frühlingsgeister
von Gisela Seidel
 
Kühle Winde stoben,
bald ist es April,
und das Wetter droben,
weiß nicht was es will.
 
Treibt die Winterwesen
durch die grauen Gassen,
fegt mit feinem Besen
über Feld und Straßen.
 
Jung und alt erleben
Vogelsang und Wende.
Frühlingsgeister geben
sich die Sonnenhände.
 
Knistern, Brechen, Heben
unter dunklen Schollen,
und das bunte Leben
hebt sich aus den Knollen.
 
Segensreich erneuern
will die Frühlingszeit;
schmückt mit frischen Farben
tristes Erdenkleid.

Flora und Fauna
sind himmlische Geschenke -
Gottes tägliche Wunder
zum Nutzen der Menschheit
 

Blütentraum
von Gisela Seidel
 
 Mit tausend Blütenblättern
hast du über Nacht
ein weißes Leuchten in die Welt gebracht.
Des süßen Kernes lockender Genuss
strömt in den lauen Tag -
ein stiller Gruß
von allerhöchster Stelle,
denn von der Himmelsschwelle
leert Gott ein Füllhorn aus,
und die Natur,
sie malt mit bunten Farben
ein duftig' Frühlingsbild daraus.

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Der alte Baum
von Gisela Seidel
 
Ein alter Baum, der sich gen Himmel streckt,
zu dessen Krone Zweig an Zweig sich binde,
der unter dunkel, harter Borkenrinde
die Ringe seiner Jahre wohl versteckt.
 
In hundert Jahren wird er noch hier stehen,
wenn sich die Zeit schon lang gedreht
und neuer Geist durch Land und Köpfe weht,
hat er so manchen Sturm gesehen.
 
Sein Laub singt uns im Wind die alte Weisen,
von Liebesglück und Leid, das er geschaut,
und nur ein winzig Herz, geritzt in seine Haut,
wird mit ihm in die ferne Zukunft reisen.
 

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Vergissmeinnicht
von Gisela Seidel
 
Streust dich wie Himmel aus,
mit Zauberhand,
und wo du jemals hast geblüht,
da strahlst du immer wieder;
es legen sich mit dir die alten Lieder,
die mir aus meiner Kindheit wohl bekannt,
so adelsblau aufs frühlingsschwere Land
und bringen jedes Jahr
Erinnerungen wieder.
 


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Blütenkranz
von Gisela Seidel
 
Möcht’ einen Blütenkranz dir binden für dein Haar,
mit wilden Wiesenblumen weiß und grün verschlungen;
er soll dein Antlitz schmücken, mild und wunderbar,
vom Frühlingsnahen wird schon leis’ gesungen.
 
Der Wind, er fegt mit kalter, starker Hand
den letzten Rest des Schnee’s über die Auen.
Schon ohne Frost, frei, ruht das weite Land,
die Blumenwelt darf aus der Erde schauen.
 
Die bunten Köpfe lugen keck hervor,
die Vögel ringsum fröhlich tirilieren,
die ganze Welt klingt wie ein großer Chor,
kein Herz will nun noch einsam sein und frieren.
 


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Frühling
von Gisela Seidel
 
Wenn Räder, bunt, im Winde drehen,
wenn unsre Lebenslust erwacht,
wenn sanft die milden Lüfte gehen,
Natur sich streckt nach langer Nacht;
 
wenn sich die Erdenporen weiten,
erwartungsvoll im Morgenlicht,
und durch der tiefen Nebel Breiten,
die Sonne durch die Wolken bricht;
 
wenn aus den harten Erdenritzen,
die Pflanzenwelten aufwärts streben,
und bunte Frühlingsblumen-Spitzen
die Erde auseinander heben;
 
wenn Vögel wieder Nester bauen
und in der Morgenfrühe singen,
wenn tausend Augen Wunder schauen,
dann wird die Frühlingszeit beginnen.
 


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Der Schmetterling

von Gisela Seidel
 
In milder Frühlingsmitte bist du sanft erwacht,
um nun den trocknen, altversponn’nen Haufen,
 
mit einer ungeheuren Wandlungskraft
metamorphosisch zu durchlaufen.
 
Zeigst uns die Augen der Natur
auf deiner Flügel-Rückenpracht,
 
fliegst über Blumenwiesen nur,
so leuchtend bunt und  flatterhaft.
 
In deiner Welt im Wiesengrund,
wird warm bestrahlt dein Leben,
 
zeigst du uns in so mancher Stund’
dein flüchtig Sonnenstreben.

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Sonne
von Gisela Seidel
 
Sonne, du güldnes, großes Himmelsherz,
ich misse deine Strahlen.
Wann wirst du neuen, lichten Glanz
auf unsre Erde malen?
 
Ich friere ohne dein Gewand
aus goldnem, hellem Leuchten,
und weiter treibt das ganze Land
im Regen trüb, dem feuchten.
 
Streu deinen warmen Feuerschein
auf unsre dunkle Welt.
Hüll’ uns in goldne Wärme ein,
die unser Herz erhellt.
 
Komm doch, oh Wind, treib fort von hier,
der Wolken Regenfülle,
und bring zurück das Strahlen mir,
in reinster Sommerstille.
 

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Regentropfen
von Gisela Seidel

Tropfenbänder glitzernd hängen
an den Zweigen, Ast für Ast;
zu den alten, neue drängen –
feuchte, regenschwere Last.
 
Lassen sich hinunter rieseln
auf das kalte Weltengrau;
fallen prasselnd oder nieselnd,
glänzen klar wie Morgentau.
 
Tausend Wasserperlenketten –
nasser Schmuck der kahlen Bäume.
Die Natur liegt in den Betten,
spinnt sich Sommersonnenträume.
 

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Regenwelt
von Gisela Seidel

Im Herzen pocht ein Sehnen
nach milder Frühlingsluft,
mit sommerhellen Tönen
und zartem Blumenduft.
 
Ein tristes Kleid der Trauer
trägt die Natur mit Tränen;
die Welt ertrinkt im Schauer
aus himmlischen Fontänen.
 

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Sommerahnung
von Gisela Seidel
 
Der Himmel malt ein lichtes Funkeln,
leuchtend und glänzend, wie ein Stern,
was vormals farblos und im Dunkeln,
strahlt nun mit buntem Seelenkern.
 
In Seidenglanz gehüllter Morgen,
ersetzt die schlafengeh’nde Nacht,
mit Sonnenschein, der große Sorgen
jetzt kleiner und erträglich macht.

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Was lange Zeit im Erdeninnern,
zeigt nun die volle Blütenpracht;
Flora und Fauna, sie erinnern,
was uns erschuf die Schöpferkraft.
 
Genießen wir die warmen Stunden,
gestreute Vielfalt, buntes Land,
legen mit hellen Glückssekunden
das Leben uns in leichte Hand.
 
Vorbei das Frieren und das Warten
auf eine lang ersehnte Zeit,
das Leben ist ein großer Garten,
die Welt erscheint im Sonntagskleid.

Sommerfrische
von Gisela Seidel
 
Die Landschaft hängt so voller Geigen,
dass es wie Symphonien klingt,
wo gestern noch ein tiefes Schweigen,
es nun in Baum und Wiesen singt.
 
Mit neu begrünten frischen Zweigen,
neben den dunklen Tannenspitzen,
sich helle Birken tanzend neigen –
die Sonne lässt sie leuchtend blitzen.
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Die bunten Wiesen groß und weit,
gebettet um des Baches Lauf,
künden uns eine schöne Zeit,
so blüh'n die kranken Seelen auf.
 
So manches regentrübe Sinnen
vertreibt der erste Bienenflug,
die nun zu leeren wohl beginnen,
der Blüten süß gefüllten Krug.
 
Vom Nektar schwer, so freudestrunken,
schwirrt es und summt es allerorten,
Insektenwelt scheint tagversunken,
zu bauen, krabbeln oder horten.


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Der Wind

von Gisela Seidel
 
Es ist der Wind, der durch die Bäume fegt,
der peitschend mein Gesicht zerschneidet,
 
der sich hoch zu den weißen Wolken hebt
und tief sich mit dem Boden dann vereinet;
 
der die Natur mit fester Hand stets voran treibt
und nächtelang um meine Hauswand heult,
 
der Räder drehend in den Sphären bleibt,
als Weltengärtner Samen um sich streut.
 
Er ist der rastlose Motor der Welt,
denn ohne ihn versiegt das Leben;
 
ob stürmisch oder milde eingestellt,
vereint er sich mit Sonne, Mond und Regen.
 

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Alter Fluss
von Gisela Seidel

Es liegt ein silbergraues Gleiten,
ein altes Fließen trüber Kraft,
über des Wassers flussbegrenzte Weiten,
der fernen Ozeane Lebenskraft;
als wollt’ er hundert Meere füllen,
wälzt er durch tiefes Bett die Fluten,
nichts Irdisches kann seine Kräfte stillen,
so wird er stets den Weg zu neuen Ufern suchen.


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Die Vögel
von Gisela Seidel
 
Bemerken wir sie manchmal kaum,
weil sie doch immer da?
Dort oben singt es aus dem Baum –
ein kleines Vogelpaar.
 
Besingen Welt und Sonnenschein,
so wunderbar zufrieden;
möchte ich doch – so insgeheim –
leicht, wie die Vöglein fliegen.
 
Brauchte nicht schaffen, ohne Sinn,
könnt’ nur den Tag besingen,
egal, wo ich auch steh’ und bin,
würd’ Gott mir Nahrung bringen.
 
Die Seele flög zum Himmelszelt,
bis an die weißen Wolken,
beschau von oben hoch die Welt,
würd’ weit dem Winde folgen.
 
Könnt’ bau’n mein Nest auf jeden Ast,
den Gott zum Platz mir böte;
ich lebte freudig, ohne Hast,
ganz ohne Lebensnöte.


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Der Baum

von Gisela Seidel
 
streckt weit zum Himmel seine Äste,
als wolle er das Wolkentreiben spüren,
um der Natur, gleich einer Ballerinen-Geste,
den Tanz auf Zehenspitzen vorzuführen.
 
Er neigt sich, wiegt sich,
folgt dem Takt des Windes,
verankert mit den wurzelfesten Streben,
wild, mit dem ungestümen Geist des Kindes,
erfasst von Böen und Sturm,
Zeit seines Lebens.
 
Noch hält er Stand
und trotzt der Witterungen Launen,
als Sieger steht er triumphierend, stolz;
noch seh’n die Menschen zu ihm auf und staunen,
doch fällt er,
wenn erst alt und morsch sein Holz.

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Herr der Lüfte
von Gisela Seidel
 
Unter den Wolken möchte ich gleiten,
so wie ein Adler, mit offenen Schwingen.
Möchte das Strahlen der Sonne durchschweifen,
als Luftherr die hohen Nebel durchdringen.
 
Möchte die Freiheit der Himmel erleben,
treiben, vorüber an Felsen und Wänden.
Will mich von unten nach oben erheben,
spähend, auf windigen Händen.
 
Schwebend und hoheitsvoll grüßt’ ich den Tag,
hätte Freyja und Pan als Gefährten.
Würde dankbar mit jedem Flügelschlag,
überfliegen Wiesen und Gärten.
 


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Katzen

von Gisela Seidel
 
 Es ist die Eigenart der Katzen,
zu schleichen und zu schauen
und auf geschmeidig weichen Tatzen,
uns schmeichelnd zuzumauen.
 
Sie sind charakterfest und eigen,
als kluge Jäger, listig, flink;
nur werden sie auch Krallen zeigen,
damit die Mäusejagd gelingt.
 
Ansonsten sind es kleine Tiger,
die schnurrend sanft wir lieben,
denn ihre Herzen folgen wieder
den alten Freiheitstrieben.

Zeiten-Wechsel
von Gisela Seidel
 
Treibt durch das Jahr
so schnell die Zeit,
mit weiten Riesenschritten,
man sehnt sich nach
des Frühlings Kleid
und gleich ist es
entglitten.
 
Schon hüllt des
Sommers heißer Atem
die Welt in prächt’ges Glühen,
sieht man bereits
in stillem Warten,
den Herbst schon Regen sprühen.
 
Bald fegt der Wind
mit starker Hand
den Staub der warmen Tage,
dann geht ein Welken durch das Land,
bringt trüb
der Stürme Plage.
 
Und fern erscheint
ein weißes Leuchten,
der Frost, er steht im Eisgewand.
Die Winterzeit streut ihre feuchten
Gesellen auf das kalte Land.
 
So wird der Wechsel
aller Zeiten
von hell nach dunkel uns beschert,
sind schlechte Jahre zu bestreiten,
gefolgt von guten umgekehrt.
 

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Herbstwelt
von Gisela Seidel
 
Noch wiegt der Baum sein Blattgewand,
das herbstlich bunte, schöne.
Sein grünes Kleid ist braungebrannt -
in hell und dunkle Töne.
 
Der Regen schwert die müde Pracht,
lässt sie zu Boden gleiten.
Der Sturmwind treibt die fahle Fracht
hinab...hinauf, beizeiten.
 
Die Straßen sind des Laubes voll -
es raschelt auf den Wegen.
Ein Jeder bringt der Mühe Soll
dem Erntedank entgegen.
 
Die Sonne scheint verhalten, mild;
gar lang die Regenzeiten.
Die triste Dunkelheit verhüllt
das In-den-Winter-gleiten.
 
Die Lebensgeister sind verstummt,
nun herrscht ein dunkles Treiben.
Die Erde ruht. Die Herbstwelt summt
besinnlich, leise Weisen.
 

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Herbstlich
von Gisela Seidel
 
Die Blätter hüpfen auf dem Asphalt.
Sie tanzen im Wind ihren Reigen.
Am Himmel, wo sich ein Wirbel ballt,
will sich die Sonne nicht zeigen.
 
Der Sturm heult um die Häuser. Geschwind,
bringt er uns den himmlischen Segen.
Die Vögel verstummen. Im Luftschacht ringt
ein einsames Blatt mit dem Regen.
 
Die Welt ist betrübt. An der Häuserwand
malen Schatten Bild-Serpentinen.
Die Menschen hetzen mit Schirm in der Hand
und verharren mit düsteren Mienen.
 
In Jacken verpackt, mit Pullis und Schal,
träumen sie sich der Sonne entgegen.
Die Nase läuft mit. Die triefende Qual
fällt nicht so auf bei dem Regen.
 
Die Gedanken sind grau wie der Wolkenzug.
Da hilft nur Tee mit Zitrone.
Es taumelt hernieder manch Blatt im Flug.
Geleert sind die meisten Balkone.
 
Die Gärten haben sich lila geschmückt,
mit Astern, Heide und Beeren.
Das Erntedankfest ist näher gerückt –
nun will es herbstlich werden.

 

Herbstwinde
von Gisela Seidel
 
Ich stehe am Fenster und schau in die Ferne,
seh’ durch die beschlagenen Scheiben hinaus.
Betrachte das herbstliche Treiben so gerne;
der Wind fegt mit heftigem Brausen ums Haus.
 
Bald werden sie kahl sein, die noch vollen Zweige.
Die Wiese, sie füllt sich allmählich mit Laub.
Es kommen die Stürme – das Jahr geht zur Neige.
Der Herbst bringt die Kälte und Dunkelheit auch.
 
Die Ernte liegt sicher in Scheunen und Hallen,
der Dank ist gesprochen, der Segen erteilt.
Wenn erst die schweren Frühnebel wallen,
dann macht sich das Jahr zum Sterben bereit.
 
Ich lausche dem Wind, er pfeift durch die Schächte,
treibt Regen und Blattwerk, streut bunt seine Spur.
Nicht enden wollen die unruhigen Nächte,
die Wärme der Sonne verlässt die Natur.
 

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Herbstzeit
von Gisela Seidel
 
Die letzten Blätter fallen von den Zweigen
und auf den Straßen liegt das nasse Laub.
Tief sich die Äste der Platanen neigen
und Regen mischt sich mit dem Straßenstaub.
 
Von Ferne naht die Nacht mit dunklen Schatten
und um die Häuserecke pfeift der Wind.
Ein braunes Blatt tanzt auf den Gehwegplatten,
die feuchte Luft macht Fensterscheiben blind.
 
Spinnweben glänzen nass in letzten Sonnenstrahlen;
ein Regenbogen spannt sich über Stadt und Land.
Mit voll bepackten Zweigen die Kastanien prahlen –
stehn majestätisch dort am Straßenrand.
 
Hör’ fern vom Kirchturm her der Abendglocke Ton.
Ihr Klang ist anders als an Sommertagen.
Die graue Stille ist des Herbstes Handwerkslohn –
es wird bald Winter, will das Läuten sagen.
 
Und oft in dieser finstren Totensonntags-Zeit,
lässt sich ein Lichtstrahl durch die kahlen Äste gleiten.
So wirst du Mensch – traf dich auch wehes Leid –
zu neuer Hoffnung über Gräber schreiten!
 

Winter will es werden
von Gisela Seidel
 
Dunkel wirds schon frühe,
Sonne dringt mit Mühe,
durch den grauen Dunst.
 
Nebel wallen wieder,
Kälte lähmt die Glieder.
Schleierhafte Kunst!
 
Kalt ist es geworden,
und vom hohen Norden
ziehn die Winde ein.
 
Tanzen durch die Straßen,
singen in den Gassen,
säubern Feld und Stein.
 
Fegen durch die Schächte,
einsam sind die Nächte;
Seelen wachen müd.
 
Winter will es werden,
und der Herbst auf Erden,
singt sein Abschiedslied.
 


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Wintermärchen

von Gisela Seidel

So unberührt und weit, das flache Land,
getaucht in winterkühle Morgendünste.
Die Bäume tragen feierlich ein Festgewand
aus weißem Glitzerflocken-Schneegespinste.
 
Seh' in der Ferne letzte Nebel steigen,
die jede Härte mit Verklärung glätten,
und die Natur hüllt sich in kaltes Schweigen,
das wie ein Segen weilt auf Totenbetten.
 
Die Landschaft trägt geduldig ihre Bürde,
die eisig funkelt unter schwachem Glanze.
Die Schöpfung liegt mit königlicher Würde
und ruht sich aus vom warmen Sommertanze.
 
Ruhig schläft das watteweiß verschneite Land,
bis sich mit neuer Lebenskraft der Boden hebt,
bis sich in Menschenherz und Menschenhand
ein zauberhafter Gottessegen legt.
 
Noch ist es Phantasie – doch wärs nicht weit,
wenn jede Seele danach strebt und handelt.
Dann würden nach des Winters Frostigkeit,
die Schatten in ein Frühlingslicht verwandelt.
 


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Winterfarbe

 von Gisela Seidel

Das Wasser ist so trüb, so träg quält sich der Fluss,
und die Natur verdunkelt ihre Lebenslichter,
verstreut der tristen Winterstunden graues Muss,
treibt müdes Gähnen auf die Januar-Gesichter.
 
In blasse Trauerfarben hüllt der Tag sich ein,
gefolgt von einer ewig langen Nacht,
die dunkel sich im Wintermondenschein
mit schwarzen Schatten kalt und endlos macht.
 

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Zauber der Schöpfung
von Gisela Seidel

Einmalig ist der Zauber einer Blüte,
so einzigartig wie das Leben selbst;
was Menschenhand erschuf entbehrt der Güte,
weil es des Lebens Kern nicht inne hält.

So kann der Mensch nur tote Dinge schaffen,
die zwar nett anzusehen, aber leblos sind;
baut mir ein Ei mit allen Inhaltsstoffen,
nie schlüpft daraus ein neues Vogelkind.

Wie viele Leben hat der Mensch zerstöret,
hat an Natur und Tieren sich vergangen;
nehmt ihr der Schöpfung, was ihr angehöret,
habt ihr ein frevelhaftes Werk begangen.

Löscht ihr das Eine aus, stirbt auch das And’re,
wenn ihr der Schöpfung Einheit brecht;
wird auch das Sterben durch die Arten wandern
und die Natur, sie fordert dann ihr Recht.

Wo Nahrung ist, wird brach das Land einst liegen,
die Felder leer, vergiftet und verseucht
und wollt ihr über die Naturgesetze siegen,
so seh’ ich eure Augen in der Zukunft feucht.

Was ihr zerstöret, das kehrt niemals wieder;
verfolgt von Frankensteins Geschöpfen,
liegt ängstlich euer Größenwahn darnieder,
und Ehrfurcht keimt zu spät in euren Köpfen.